„Dudu“ und Co. schwitzen für Olympia PDF Drucken E-Mail
Wu und Silbereisen starten mit den deutschen Frauen die Vorbereitung auf die Sommerspiele in London

Von unserem Mitarbeiter René Adler

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Damit Kristin Silbereisen (links) und Jiaduo Wu auch bei den Olympischen Spielen in London so jubeln können, legen sie derzeit die Grundlagen beim ersten Vorbereitungslehrgang in Hennef. Foto: Jürgen Vohl


Hennef/Kroppach. Die Vorfreude auf die Olympischen Spiele in London steigt – das ist die wichtigste Botschaft des ersten Vorbereitungs-Lehrgangs, den das deutsche Tischtennisteam der Frauen mit Jiaduo Wu und Kristin Silbereisen vom FSV Kroppach in der Sportschule Hennef bei Bonn absolvierte. Die zweite Erkenntnis brachte Jie Schöpp auf den Punkt. „Ich bin froh, dass es alle überstanden haben. Die Mädchen sind jetzt total kaputt“, sagte die frühere Kroppacherin und heutige Bundestrainerin. Kein Wunder, ging es doch vor allem darum, die konditionellen Grundlagen für einen erfolgreichen Start bei den Sommerspielen zu legen.

Zunächst stand ein Feldstufentest auf dem Programm, mit dem die Laufausdauer überprüft wurde. Bei mehreren Läufen mit definiertem Tempo und vorgegebener Strecke wurde die Intensität stufenweise erhöht und am Ende jeder Stufe die Laktat-Konzentration im Blut ermittelt. „Die Ergebnisse liefern genaue Informationen über die Ausdauerleistung und fließen in die weitere Programmplanung der Gruppe, aber auch der einzelnen Spielerin ein“, erläuterte Dr. Oliver Bloch. Der Biomechaniker und Leistungsdiagnostiker am Olympia-Stützpunkt Rheinland in Köln hatte die Frauen neben Schöpp unter seinen Fittichen.

Dabei überließ der Athletiktrainer nichts dem Zufall. „Unsere Laufstrecke haben wir per GPS vermessen“, verriet Bloch. „Das lohnt sich schon deshalb, weil wir sie in diesen Tagen sehr oft laufen.“ Doch das Frauen-Team um Europas Beste, Jiaduo Wu, trainierte nicht nur auf der Flachstrecke. In der Sportschule standen auch zahlreiche Bergauf-Läufe auf dem Programm. Weitere Trainingsinhalte waren die Arbeit im Kraftraum und allgemeine Athletikeinheiten mit Stabilisationstraining, Sprüngen und Sprints. „Vor dem Lehrgang war Urlaub angesagt, da war der Körperzustand entsprechend“, meinte Schöpp eher skeptisch. Doch Bloch fand die Leistungen ansprechend: „Ich bin durchaus zufrieden bis positiv überrascht über den körperlichen Zustand nach der Pause.“

Am Tischtennistisch wurde auch trainiert. „Etwa 60:40“ sei das Verhältnis gewesen, sagte die Bundestrainerin, wobei der konditionelle Teil am meisten schlauchte. Am Mittwoch etwa folgte auf die Tischtenniseinheit am Morgen eine Regenerationseinheit am Nachmittag – aber aktive Regeneration hat mit Füße hochlegen nichts zu tun: Für die Frauen gab es zwei knapp vier Kilometer lange Läufe mit zehnminütiger Fußballpause – die U 20-Nationalmannschaft absolvierte nebenan ein Testspiel. Danach folgten Stabilisationstraining, Physiotherapie und Sauna.

Mit dem ersten Olympia-Lehrgang eröffnete Kristin Silbereisen auf ihrer Internetseite (www.kristin-silbereisen.de) eine eigene Rubrik „London 2012“. „Vorfreude“ betitelte sie ihren ersten längeren Beitrag. „Als ich mich letztes Jahr im Juni 2011 bereits direkt qualifiziert hatte, waren die Olympischen Spiele noch so weit weg. Aber jetzt, bei dem Gedanken, dass es in 43 Tagen losgeht, steigt meine Vorfreude immens“, erklärt die Kroppacherin. „Ich bin stolz darauf, einer von den momentan 85 nominierten deutschen Athleten zu sein, den deutschen Adler auf meinen Shirts repräsentieren zu können und Teil dessen zu sein, wovon jeder Sportler träumt.“

Am 28. Juni werden die Olympiastarter eingekleidet, und das Thema ist eine Wissenschaft für sich, schildert Silbereisen: „Uns wird mitgeteilt, wann wir wo was zu tragen haben. Denn auch in London wird nichts dem Zufall überlassen. Alles ist festgelegt. Welche Werbung zu sehen ist, bzw. dass nur ein kleines Logo der Firma erlaubt ist, alles andere muss abgeklebt werden. Welchen Anzug man zum Flughafen anziehen muss, in welchen Dresscode man zum Shuttle-Bus vor Ort laufen darf, wie man sich im olympischen Dorf zu kleiden hat und und und.“

Doch bis zum Abflug nach London am 25. Juli stehen für Silbereisen, „Dudu“ und Co. noch ein weiterer Lehrgang in Düsseldorf, ein Trainingslager – auch mit Spitzenspielerinnen aus dem europäischen Ausland – in Österreich mit abschließendem Turnier unter Wettkampfbedingungen und zum Schluss noch ein paar Tage am Stück in Düsseldorf an.

„Vor Olympischen Spielen muss man sehr intensiv und umfangreich trainieren“, weiß Schöpp, die als Spielerin dreifache Olympionikin und zudem extrem fleißig war: „Ich habe immer so viel trainiert wie ich konnte.“

Westerwälder Zeitung vom Donnerstag, 21. Juni 2012, Seite 16