Auf Kroppacherinnen warten lösbare Aufgaben PDF Drucken E-Mail
Gute Auslosung für FSV-Trio zum Turnierauftakt in London

Von unserem Mitarbeiter René Adler

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So freute sich Krisztina Toth vom FSV Kroppach bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking nach ihrem 4:3-Sieg im Zweitrundenspiel gegen Ruta Paskauskiene. Gibt es für die Ungarin auch in London Grund zum Jubeln? Foto: dpa

London. Lospech sieht anders aus: Das Tischtennis-Trio des FSV Kroppach kann sich über die Auslosung für die Olympischen Spiele in London nicht beklagen. Vor allem, weil der große Wunsch von Wu Jiaduo, Kristin Silbereisen und ihrer Berliner Kollegin Irene Ivancan in Erfüllung ging, mit der deutschen Mannschaft nicht in die chinesische Hälfte gelost zu werden. Das Turnier beginnt aber mit dem Einzel-Wettkampf, in dem die Trauben noch höher hängen, auch wenn erstmals nur zwei Spielerinnen pro Nation starten dürfen. Dafür ist auch FSV-Ass Krisztina Toth aus Ungarn qualifiziert.

Für „Dudu“ Wu Jiaduo lief es 2008 in Peking bei ihrem olympischen Debüt überhaupt nicht: Die Mannschaft wurde Gruppenletzter, und im Einzel verlor die 34-Jährige ihr Auftaktmatch gegen Li Qiangbing aus Österreich mit 3:4 Sätzen. Danach hat sie aber ihr Spiel weiterentwickelt und ihre Form stabilisiert. „Ich habe zusammen mit den Trainern analysiert, was ich verbessern muss: meine Technik, meine Platzierung, ich musste noch sicherer werden und gleichzeitig variabler spielen“, nennt sie die entscheidenden Punkte. „Heute habe ich mehr Selbstvertrauen und einen besseren Kopf“, sagt die gebürtige Chinesin. „Das liegt auch daran, weil ich seitdem bei mehreren großen Turnieren gut gespielt habe: zum Beispiel bei der EM 2009, der Mannschafts-WM 2010, beim Europe Top 12 in diesem Jahr.“ In Stuttgart wurde sie Europameisterin im Einzel, in Moskau führte sie Deutschland zur sensationellen WM-Bronzemedaille, und in Lyon gewann sie das kontinentale Ranglistenturnier.

„Dudu“ greift als einzige Kroppacherin erst in der Runde der letzten 32 ins Geschehen ein, da sie an Position neun gesetzt ist. Ihre erste Gegnerin am Sonntagabend ist wahrscheinlich die Tschechin Iveta Vacenovska. „Vacenovska halte ich für sehr gefährlich in einem ersten Match“, kommentierte Dirk Schimmelpfennig, der als Sportdirektor des Deutschen Tischtennis-Bundes die Auslosung verfolgte, als die Sportlerinnen noch auf der Anreise waren. „Aber für eine Spielerin wie Dudu ist auch dies machbar.“ Wu hat sich vorgenommen: „Ich kämpfe um jeden Ball und spiele mutig. Vor allem darf ich mir nicht zu viele Gedanken machen.“

Sie weiß, dass dies Olympia-Debütantin Kristin Silbereisen schwerer fallen dürfte. „Mein wichtigster Tipp: Konzentriere dich auf dich selbst und lass dich nicht von der schönen Atmosphäre ablenken“, gibt sie ihrer Vereinskollegin mit auf den Weg. „Es ist für jeden Olympioniken verführerisch: das olympische Dorf, die prominenten Sportler aus anderen Disziplinen, die vielen Fans – aber das kann man alles auch nach seinem eigenen Wettkampf noch genießen.“

„Ich glaube, dass das gar nicht so einfach wird. Man kann sich dem Ganzen nicht vollkommen entziehen“, meint Silbereisen. „Ich will aber auch meine Leistung abrufen. Ich bin die erste Deutsche, die an den Tisch gehen wird. Und ich will nicht die erste Deutsche sein, die als Verliererin die Box verlässt.“ Ein Traum ging schon am Freitagabend in Erfüllung. Da es die Möglichkeit gab, früher auszusteigen, kurz vor dem Einmarsch der britischen Gastgeber, konnte die Nationalspielerin trotz des für Samstagvormittag angesetzten Trainings an der Eröffnungsfeier teilnehmen.



Silbereisen steigt am Sonntag ein

Die 27-Jährige trifft am Sonntagmorgen in der zweiten Runde auf die Siegerin der Partie zwischen Lokalmatadorin Joanna Parker und der Brasilianerin Caroline Kumahara. „Auch diese Aufgabe ist lösbar“, meint Schimmelpfennig. Silbereisen kommentierte: „Meine Form ist gut, und ich bin mit der Auslosung zufrieden.“ In Runde drei würde voraussichtlich die Weißrussin Wiktoria Pawlowich warten, Einzel-Europameisterin von 2010. „Insgesamt habe ich mich verbessert“, glaubt die Deutsche. „Ich habe super trainiert und will ein super Turnier spielen.“

Krisztina Toth ist die mit Abstand erfahrenste Olympionikin aus Kroppach. Für die Ungarin sind es seit 1996 in Atlanta bereits die fünften Sommerspiele in Folge. Die besten der Ungarin waren die vor zwölf Jahren im australischen Sydney, als sie im Einzel das Achtelfinale erreichte und im Doppel an der Seite von Csilla Batorfi als Vierte knapp die Bronzemedaille verpasste. Diesmal musste sie schon vor dem Turnier einen Rückschlag hinnehmen: Weil ihre Landsfrau Petra Lovas bei den Qualifikationsturnieren scheiterte, findet der Mannschaftswettbewerb ohne ungarische Beteiligung statt; Toth wird nur Einzel spielen.

„Hauptsache ich bin dabei, der Mannschaftsplatz wäre das Sahnehäubchen gewesen“, sagt die 38-Jährige, die als einziges FSV-Ass schon am Samstag ran muss. Toth bekommt es in der ersten Einzel-Runde mit Außenseiterin Fabiola Ramos aus Venezuela zu tun. „Ich denke, dass sie alle Mittel hat zu gewinnen“, meinte Nationaltrainer Peter Teglas und zeigte sich mit dem Los „zufrieden“.



Im Viertelfinale wartet wohl Japan

Ihre Vereinskolleginnen Wu und Silbereisen sind auch im Mannschaftsturnier dabei, für das sie eines inständig hofften: bloß kein Viertelfinale gegen den praktisch unschlagbaren Titelverteidiger China. Und dieser Wunsch ging in Erfüllung. Im Gegensatz zu den deutschen Männern landeten die Frauen in der nichtchinesischen Turnierhälfte und haben es zunächst mit den Ladies aus Down Under zu tun. „Die Auslosung für die Frauen ist mit Australien eine machbare Aufgabe“, sagt der Sportdirektor. Im Viertelfinale ginge es wohl gegen die an Position zwei gesetzten Japanerinnen. „Dass wir eine Chance haben gegen die Weltbesten, das haben wir in Dortmund gesehen“, erinnert Bundestrainerin Jie Schöpp an die WM im Frühjahr. Damals verpasste ihr Team die Sensation gegen Titelverteidiger Singapur und den Einzug ins Halbfinale hauchdünn.

„Die Chance war wirklich da“, so die frühere Kroppacherin. „Ich merke, dass die Mannschaft sehr viel an Selbstvertrauen dazugewonnen hat.“ Auch die dreimalige Olympionikin will ihre Erfahrungen weitergeben, vor allem an die Debütantinnen Silbereisen und Ivancan: „Ich bin wirklich froh, dass ich weiß, was uns in London erwartet. Es ist eine wertvolle Erfahrung, dass man schon als Spielerin bei Olympia dabei war.“

Westerwälder Zeitung vom Samstag, 28. Juli 2012, Seite 22