Silbereisen genießt „Gänsehaut pur“ PDF Drucken E-Mail
Olympische Spiele Frühes Aus für Krisztina Toth nach Zittersieg und hauchdünner Niederlage

Von unserem Mitarbeiter René Adler

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Kristin Silbereisen vom FSV Kroppach zeigte in ihrem Auftaktspiel gegen die Britin Joanna Parker eine überzeugende Leistung. Am Sonntagabend unterlag sie dann aber Wiktoria Pawlowich aus Weißrussland. Foto: dpa


London/Kroppach. Kristin Silbereisen vom FSV Kroppach hat in ihrem ersten Match bei ihrem Olympia-Debüt in London überzeugt. Für ihre Vereinskollegin Krisztina Toth waren ihre fünften Sommerspiele dagegen schon am späten Samstagabend beendet, während die an Position neun gesetzte Wu Jiaduo erst 24 Stunden später gegen Iveta Vacenovska (Tschechien) ins Geschehen eingriff (siehe Meldung).

Schon um 5.15 Uhr Ortszeit klingelte Silbereisens Wecker. Keine angenehme Zeit, schon gar nicht an einem Sonntag, doch viereinhalb Stunden später hatte sich das frühe Aufstehen gelohnt: Vor fast 6000 Zuschauern in der ExCel-Arena besiegte die Kroppacherin Lokalmatadorin Joanna Parker klar in 4:1 Sätzen und sorgte damit für einen erfolgreichen deutschen Turnierauftakt.

„Ich freue mich über jeden gedruckten Daumen, denn Heimvorteil hat eindeutig meine Gegnerin aus England“, hatte Silbereisen vor der Partie gegen die Abwehrspielerin gesagt. Doch das FSV-Ass bewies, dass der Unterschied zwischen ihr, der Nummer 47 der Weltrangliste, und Parker als Nummer 119 nicht nur auf dem Papier besteht. „Feuchte Hände hatte ich zwar nicht, aber mein Herz hat ganz schön geklopft“, gestand sie. „Das Gefühl beim Einmarsch hier ist mit keinem anderen Turnier zu vergleichen.“

Auf Parkers „etwas ungewöhnlichen Stil“ ohne Noppen und stattdessen mit zwei glatten Belägen hatte sie Bundestrainerin Jie Schöpp intensiv vorbereitet. Die Defensivspezialistin und dreimalige Olympia-Teilnehmerin imitierte im Abschlusstraining den Parker-Stil. Dies zahlte sich aus, denn in ihren vier gewonnenen Sätzen gab Silbereisen nie mehr als sieben Punkte ab. Wichtig sei ihr guter Start gewesen. „Bei meinem 5:1 im ersten Satz habe ich gemerkt, dass die Zuschauer deutlich verhaltener geklatscht haben.“ Nur im dritten Satz habe sie etwas ihre Linie verloren. Am Ende stand aber ein glattes 4:1 (11:6, 11:7, 7:11, 11:2, 11:4).

Krisztina Toths fünfte Olympia-Teilnahme wäre fast schon nach einer halben Stunde beendet gewesen. Die Nummer 84 der Weltrangliste holte sich gegen die fast 200 Ränge hinter ihr platzierte Fabiola Ramos aus Venezuela zwar den ersten Durchgang, verlor dann aber drei Sätze in Folge, alle mit nur zwei Punkten Differenz. Mit dem Rücken zur Wand konnte sich die 38-Jährige aber steigern und hatte am Ende auch die besseren Nerven. Sie gewann die folgenden Sätze mit 11:5, 11:9 und 12:10 und das Match mit 4:3. „Es war anfangs schrecklich“, kommentierte die Ungarin. „Viele Leute hatten gesagt, dass ich dieses Spiel leicht gewinne, aber jetzt hat alle Welt gelernt, dass auch so eine venezolanische Gegnerin nicht unterschätzt werden sollte. Es ist mein fünftes Olympia, und ich wollte nicht in der ersten Runde ausscheiden.“

Dass ihr dies in der zweiten Runde widerfuhr, war keine Überraschung, da Chen Szu-Yu in der Weltrangliste 27 Plätze vor ihr liegt und sie das bisher einzige Duell mit der Taiwanesin verloren hatte. Doch nach dem Match war die siebenmalige Europameisterin konsterniert, da sie eine 3:0-Satzführung und Matchbälle aus den Händen gegeben hatte. Den ersten vergab sie im vierten Satz (13:15), woraus ihre erst 18 Jahre alte Gegnerin Kraft schöpfte und prompt die nächsten beiden Durchgänge gewann.

Der Entscheidungssatz wurde zum Showdown ohne Happy End, in dem beide Spielerinnen Matchball hatten, aber die Asiatin ihre Chance nutzte. „Ich bin sehr enttäuscht“, sagte Toth nach dem 3:4 (12:10, 11:7, 11:5, 13:15, 5:11, 5:11, 11:13). „Ich habe ein großes Spiel gespielt, gekämpft und gekämpft, hatte aber kein Glück.“

Obwohl sie als erste Deutsche ins Turnier startete, hatte Silbereisen an der Eröffnungsfeier und dem Einmarsch von Team Deutschland ins Olympiastadion teilnehmen können. „Gänsehaut-Feeling pur“, beschrieb sie die Erfahrung. „Es war einfach ein wahnsinniges Gefühl, genau wie ich es mir vorgestellt hatte.“

Westerwälder Zeitung vom Montag, 30. Juli 2012, Seite 23