Endstation Achtelfinale: „Dudu“ ist in London raus PDF Drucken E-Mail
Olympische Spiele Kroppacher Duo konzentriert sich auf Teamwettkampf

Von unserem Mitarbeiter René Adler

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Die Hoffnung war trotz eines 0:2-Rückstands da, letztlich musste Kroppachs „Dudu“ Wu Jiaduo aber die Überlegenheit ihrer Gegnerin Feng Tianwei anerkennen. Jetzt gilt die volle Konzentration der Mannschaft. Foto: dpa


London. Aus Sicht des FSV Kroppach ist der Tischtennis-Einzelwettbewerb bei den Olympischen Spielen beendet. Nach Krisztina Toth (Runde zwei) und Kristin Silbereisen (Runde drei) verabschiedete sich auch Wu Jiaduo gegen eine höher eingestufte Gegnerin. Die Nummer 16 der Weltrangliste unterlag im Achtelfinale der acht Ränge vor ihr liegenden Feng Tianwei aus Singapur mit 2:4. Für „Dudu“ und Silbereisen bleibt als letzte Chance das Mannschaftsturnier, das am Freitag mit dem Spiel gegen Außenseiter Australien beginnt.

„Sie ist eigentlich besser als ich. Daher werde ich versuchen, locker aufzuspielen und werde kämpfen. Mal sehen, wofür das reicht“, hatte „Dudu“ Wu Jiaduo vor ihrer Partie gegen die an Position sechs gesetzte Feng Tianwei gesagt. Zweimal hatte sie in bislang sechs Duellen gegen Singapurs Fahnenträgerin gewonnen, beim letzten Vergleich im Frühjahr bei der Team-WM in Dortmund ein enges Match mit 1:3 verloren.

Auch in London leistete Wu viel Gegenwehr, egalisierte gegen die Mannschafts-Weltmeisterin von 2010 einen 0:2-Satzrückstand, unterlag aber in sechs hart umkämpften Sätzen. Es reichte letztlich nicht für den ersten Viertelfinaleinzug einer deutschen Frau im olympischen Einzelwettbewerb seit Qianhong Gotsch im Jahr 2000 in Sydney. „Ich habe alles gegeben, deshalb ist es okay“, sagte Wu und sah sich letztlich in ihrer Einschätzung vorab bestätigt. „Meine Gegnerin ist die bessere Spielerin.“

Ihren Humor hatte „Dudu“ auch nach ihrem Ausscheiden nicht verloren. „Ich hätte einfach nur zum 3:3 ausgleichen müssen. Danach hätte ich gewonnen“, sagte sie und begründete: „So war es bisher immer.“ Die Europameisterin von 2009 lief nach Durchgang eins immer einem Satzrückstand hinterher. Hinzu kam das variablere Spielsystem ihrer Kontrahentin. „Feng Tianwei spielt sehr gut gegen ,Dudus' System“, kommentierte Bundestrainerin Jie Schöpp. Für Wu heißt es nun: „Jetzt konzentrieren wir uns auf die Mannschaft.“

Ihren Kaltstart in London – als an Position neun gesetzte Spielerin gab's zwei Freilose – hatte Wu erfolgreich gemeistert. Es war aber ein hartes Stück Arbeit gegen die aggressiv spielende Iveta Vacenovska. Tschechiens Topspielerin setzte Wu mit harten Topspins unter Druck und gewann die Sätze drei und fünf. „Ich wusste, dass es nicht leicht wird. Iveta spielt bei großen Turnieren immer volle Pulle“, sagte Wu über ihr 4:2 gegen die WM-Viertelfinalistin von 2009. „Gegen sie war alles drin – von einem 4:0 bis zu einer Niederlage musste ich mit allem rechnen.“

Ihre leichte Nervosität im ersten Spiel habe sie erst im zweiten Durchgang so richtig abgelegt. Da wehrte „Dudu“ vier Satzbälle ab und gewann noch mit 15:13. „Im dritten Satz habe ich dann nicht gut genug platziert, sondern nur versucht, sicher zurückzuspielen. Iveta hat aber zu gut gespielt, als dass das gereicht hätte.“ Wu war froh, ein neues Peking verhindert zu haben: Vor vier Jahren war die gebürtige Chinesin bereits im ersten Match ausgeschieden.

Kristin Silbereisen war nach ihrem Aus in der dritten Runde traurig über das Ergebnis, aber auch stolz auf ihre Leistung. „Natürlich bin ich enttäuscht, dass ich ausgeschieden bin, aber ich bin nicht enttäuscht über mein Spiel“, sagte die Kroppacherin nach dem 2:4 gegen die Weißrussin Wiktoria Pawlowitsch. Die 27-Jährige gab am Sonntag in ihrem zweiten Spiel des Tages sechs Sätze lang alles gegen die Europameisterin von 2010. Mit 0:2 geriet sie in Satzrückstand, doch schon diese Durchgänge waren hart umkämpft und endeten erst in der Verlängerung.

Die Rechtshänderin ließ sich aber nicht entmutigen, entschied die Sätze drei und vier für sich und schien auf dem besten Weg, die komplette Partie zu drehen. Doch die ersten vier Sätze gegen die Abwehrspezialistin hatten Kraft gekostet: Silbereisen musste ihr Spiel umstellen, aktive und passive Bälle abwechseln. Diese Chance nutzte Pawlowitsch für eigene Attacken und gute Blocks am Tisch. Im fünften Satz wurde aus einem 2:0 für Silbereisen schnell ein vorentscheidendes 2:8 , Durchgang sechs verlor sie mit 7:11.

Am Montag gönnte sich Kristin Silbereisen einen sportlichen Ruhetag, „ab Dienstag gilt die volle Konzentration dem ersten Team-Match gegen Australien.“ Das ist jetzt auch bei ihrer Kroppacher Teamkollegin Wu Jiaduo der Fall.

Westerwälder Zeitung vom Dienstag, 31. Juli 2012, Seite 14