Bundestrainerin Schöpp warnt vor leichtem Gegner PDF Drucken E-Mail
Wu Jiaduo will gegen Australien als Nummer eins vorangehen

Von unserem Mitarbeiter René Adler

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Früher in Kroppach, jetzt in London: Die deutsche Bundestrainerin Jie Schöpp bereitet ihre Mannschaft aufs Achtelfinale vor. Foto: dpa


London. Vier Tage nach dem Achtelfinal-Aus im Einzel beginnt für Tischtennis-Ass „Dudu“ Wu Jiaduo vom FSV Kroppach bei den Olympischen Spielen in London der Mannschafts-Wettbewerb, in dem natürlich auch ihre in der dritten Runde gescheiterte Vereinskollegin Kristin Silbereisen auftrumpfen möchte. Zusammen mit der EM-Zweiten Irene Ivancan aus Berlin gehen die beiden Asse aus dem Westerwald als klare Favoritinnen in ihr Achtelfinale am Freitagvormittag gegen Australien.

Die Einzel-Bilanz von Bundestrainerin Jie Schöpp fiel keineswegs negativ aus. „Beide haben jeweils gegen Spielerinnen verloren, die in der Weltrangliste über ihnen stehen“, erklärte die frühere Kroppacherin. „Sie hatten ihre Chancen, haben es aber leider nicht geschafft.“ Die Ex-Nationalspielerin war sich sicher: „Nach der ersten Enttäuschung werden wir das Ausscheiden akzeptieren und uns ganz auf die Mannschaft konzentrieren können.“

Wu sah dies ebenso: „In der Mannschaft haben wir eine neue Chance. Wir müssen das Spiel jetzt vergessen und das nächste vorbereiten.“ Dabei will „Dudu“, deren Kolleginnen Olympia-Debütantinnen sind, vorangehen. „Die Nummer eins in Deutschland zu sein, heißt auch, dass ich Verantwortung trage. Ich will meinen Mannschaftskameraden zeigen, dass ich hart arbeite und gut spiele“, erklärte die 34-Jährige.

Die Rollen sind klar verteilt: Die Australierinnen sind die Nummer 27 der Team-Weltrangliste, Deutschland liegt auf Position sechs. Dennoch warnt Schöpp davor, den Gegner zu unterschätzen: „Sie spielen mit drei ausgewanderten Chinesinnen. Wir müssen von Anfang an konzentriert spielen und unbedingt kämpfen.“ Interessantes Detail am Rande: Sportdirektor und einer der Betreuer des australischen Olympia-Teams ist der Bruder von Kristin Silbereisens Freund, dem Kölner Zweitligaspieler Jochen Lang. Jens Lang ist im vergangenen Jahr nach Down Under übergesiedelt und will mit seinen Sportlern mittelfristig den Anschluss an die erweiterte Weltspitze schaffen. Im Frühjahr bei der Mannschafts-WM in Dortmund hatte sich Australien stark präsentiert und war in die höchste Division aufgestiegen.

„Dudu“ setzt auf den Zusammenhalt. „Unterstützung gibt es von der Mannschaft“, sagte sie. „Wir sind ein Team und halten zusammen, jede hilft der anderen. Zusammen werden wir es schaffen.“ Und dass dies keine Phrasendrescherei ist, kann niemand besser bestätigen als Schöpp. „Mit der Stimmung in der Mannschaft bin ich mehr als zufrieden. Als ich früher aktiv gespielt habe, war die Stimmung im Team nicht immer so schön und harmonisch“, erinnert sich die langjährige Nationalspielerin. „Dudu“ und Co. sind deutlich pflegeleichter, als es etwa eine Nicole Struse war, die auch lange Zeit in Kroppach spielte.

Nach Australien käme im Viertelfinale höchstwahrscheinlich Japan, das gegen die USA keine Probleme haben dürfte. Obwohl das Nippon-Team besser ist als die Alternative China, wäre Schöpp auch diesem Team gerne aus dem Weg gegangen: In Dortmund hatte ihre Mannschaft zweimal klar mit 0:3 gegen die Asiatinnen verloren, zunächst in der Vorrunde und dann in den Platzierungsspielen. Völlig ausschließen will die Bundestrainerin eine Überraschung – ähnlich wie Team-Bronze bei der WM 2010 – aber nicht. „Das positive Gefühl ist schon da“, sagte sie und gestand: „Eine Medaille bei Olympischen Spielen ist wirklich ein Traum.“

Westerwälder Zeitung vom Donnerstag, 2. August 2012, Seite 16