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Umfassender Ausblick auf die Saison 2012/13Jubelt der FSV Kroppach auch am Ende der Saison 2012/13?
Frankfurt/Main.Dank der spektakulären Neuverpflichtungen des TTSV Saarlouis-Fraulautern darf ein spannungsgeladener Prestigekampf mit dem inzwischen sechsfachen Deutschen Meister FSV Kroppach erwartet werden. Belebung erfährt die Liga aufgrund der Aufsteiger aus der 2. Bundesliga Süd, SV DJK Kolbermoor und NSC Watzenborn-Steinberg. Der LTTV Leutzscher Füchse 1990 als Tabellenvierter, ist mit einer Sondergenehmigung am Start. Doch nach dem Urteil des DTTB-Sportgerichtes beginnt die Saison schon vor dem ersten Aufschlag mit einem Schock, denn Spitzenspielerin Kathrin Mühlbach bleibt in Fraulautern (schriftliche Begründung steht noch aus, auch Rechtsmittel können noch eingelegt werden). Der ttc berlin eastside und die TTG Bingen/Münster-Sarmsheim sind personell unverändert dabei. Ebenso wie die DJK TuS Essen-Holsterhausen, aus der allerdings TUSEM Essen wurde. Bleibt noch die SV Böblingen, die die erneut mit nur neun Mannschaften belegte Staffel komplettiert.

 

Die Saisonvorbereitungen laufen langsam auf Hochtouren, die letzten Sponsorengespräche, das Programmheft, die neue Ausstattung, alles soll rechtzeitig fertig werden, und für die Olympia-Teilnehmerinnen rücken die unvergesslichen Eindrücke und großen Emotionen der Sommerspiele in London langsam in den Hintergrund.

 

Die Vorstellung der Teams erfolgt in drei Abschnitten.

Teil I: FSV Kroppach, TTSV Saarlouis-Fraulautern und ttc berlin eastside

Teil II: TTG Bingen/Münster-Sarmsheim, TUSEM Essen, SV Böblingen

Teil III: SV DJK Kolbermoor, NSC Watzenborn-Steinberg, LTTV Leutzscher Füchse    1990                  

               

Im Kampf um die Deutsche Meisterschaft 2012/13 hat der Vorjahresvizemeister TTSV Saarlouis-Fraulautern die verschärfte Angriffsposition eingenommen, denn die vergeblichen Versuche auch einmal Ruhm zu ernten, sind dem Klub langsam ein Dorn im Auge. Dem FSV Kroppach soll endlich der Schneid abgekauft werden und das Abonnement auf den Titelgewinn zumindest unterbrochen werden. Dafür wurden gravierende Veränderungen im Team vorgenommen, doch der TTSV muss geschickt taktieren, denn nicht immer sollen die vier stärksten Akteurinnen am Ball sein, sonst legt man sich wohlmöglich selbst die größten Steine in den Weg. Beim FSV wartete die Konkurrenz vergeblich darauf, dass noch kurz vor Toresschluss ein Joker aus dem Hut gezaubert wurde. Das Management stärkt seinen bis dato erfolgreichen Spielerinnen den Rücken. Mit dem bekannten Quartett geht der ttc berlin eastside in die Saison, der inzwischen realistisch genug ist, dass Platz eins einem Sechser im Lotto gleich käme. Doch um den Bronzeplatz wollen die Bundeshauptstädterinnen wieder ein Wörtchen mitreden.

 

FSV Kroppach:

 

Management schenkt dem Team großes Vertrauen

Bereits eine ganze Handvoll Deutsche Meistertitel in Serie feierte der FSV Kroppach in den letzten Jahren. Immer wieder versuchte die Konkurrenz, allerdings vergeblich, dem Klub aus dem Westerwald den Rang abzulaufen. Deshalb sah das Management auch keine Veranlassung etwas im Team zu verändern. Lediglich der Nummer fünf aus der Vorsaison Anastasia Voronova wurde kein neuer Vertrag angeboten. Der Russin fehlte einfach die Erfahrung, sodass sie bei ihren Einsätzen an den Nerven scheiterte. „Eine Chinesin unter den Top-10, die uns weitergeholfen hätte, war nicht zu bekommen“, sagt Manager Horst Schüchen. Und Teambetreuer Dennis Leicher ergänzt: „Wir wollten auf dem Teppich bleiben, denn wir haben ja auch eine Verantwortung 

Wu Jiaduo überzeugt mit temporeichem Spiel (Aufnahme: Petra Steyer)Wu Jiaduo überzeugt mit temporeichem Spiel (Aufnahme: Petra Steyer)
gegenüber unseren Spielerinnen. Außerdem hat die Mannschaft in den letzten zwei Jahren nur eine Partie verloren. Deshalb genießt sie mein uneingeschränktes Vertrauen. Das haben  sich die Spielerinnen redlich verdient.“  Der FSV tritt also mit Shan Xiao Na, der amtierenden Deutschen Meisterin im Einzel und Doppel, Europameisterin 2009 und Europe Top-12-Gewinnerin 2012 sowie Nummer 14 der Weltrangliste Wu Jiaduo, Sun Bei Bei, die allerdings nur zum Einsatz kommen kann, wenn ihre chinesische Kollegin Shan ausfällt, Kristin Silbereisen und der Ungarin Krisztina Toth an. Daraus könnte sich im Verletzungs- oder Krankheitsfall ein Manko ergeben. „Dann müsste sich die entsprechende Spielerin eben an den Tisch stellen. Im Notfall sind wir aber auch selbstbewusst genug, um zu Dritt an einen Sieg zu glauben“, sagt der Manager.

Durchaus positiv stehen die Verantwortlichen dem Aufrüsten des TTSV Saarlouis-Fraulautern gegenüber. „Davon könnte es noch mehr Vereine geben, dann würde die Meisterschaft nicht nur in zwei, drei Spielen entschieden. Obwohl wir natürlich auch gegen Essen und Böblingen immer haben kämpfen müssen. Die Ergebnisse spiegelten den Verlauf nicht wider“, erklärt Schüchen. „Für uns besitzt die kommende Saison einen entscheidenden Vorteil, denn wir stehen das erste Mal nicht unter Druck Meister werden zu müssen. Das heißt aber nicht, dass wir die Titelverteidigung nicht anstreben. Wenn aber alles korrekt läuft, und wir alles gegeben haben, dann ist auch der zweite Tabellenplatz in Ordnung“, erläutert Leicher.

Die Mannschaft stellt sich am 9. September bei einem Sponsorenessen und im Rahmen einer Pressekonferenz gemeinsam vor. An den ersten beiden Spieltagen darf der Deutsche Meister noch einen entspannten Blick auf die Ergebnisse der Konkurrenz werfen, dafür naht am 28. und 30. September ein Hammerauftakt, denn zuerst kommt der TTSV Saarlouis-Fraulautern und danach wartet der ttc berlin eastside. „Es geht gleich mit Volldampf los. Mal sehen in welcher Gemütsverfassung wir dann sind, und wer zum Hinterherlaufen verpflichtet ist“, meint Schüchen. Er sehe jedoch ein Plus aufgrund guter, eingespielter Doppel, und Wu Jiaduo könne jede Gegnerin der Liga besiegen. „Beginnen wir in den beiden Spielen positiv, sollten unsere Chancen steigen. Dann könnten wir die Saison von vorn heraus bestimmen“, lässt der Manager Zuversicht erkennen.

 

TTSV Saarlouis-Fraulautern:

 

Dreimal Li bringt dem TTSV Titelchancen  

Bevor sich der TTSV Saarlouis-Fraulautern seinen hochgesteckten Zielen widmen kann, blockiert die unschöne Wechselangelegenheit von Kathrin Mühlbach die Vorfreude auf die Saison. Grundlage war der im Mai annullierte Wechsel von Mühlbach vom TSV Schwabhausen ins Saarland, bei dem ein Formfehler bei der Unterschrift vorgelegen haben soll. Daraufhin schloss sich Mühlbach dem Aufsteiger LTTV Leutzscher Füchse von 1990 an. Das DTTB-Sportgericht entschied nun, dass die 20-Jährige beim TTSV bleibt. Eine schriftliche Begründung liegt noch nicht vor, offen ist auch, ob die Beklagten in Revision gehen. „Das ist auch Sache der beiden Verbände, Kathrin hat bei uns keinen Vertrag. Wir sind außen vor, ich sehe uns nicht unter Zugzwang“, hält Manager Heinz Falk die Füße still.

Mit Li Fen, den hochkarätigen Neuzugängen Li Jiao und Li Jie sowie Ni Xialian, außerdem Nadine Bollmeier, als dritte Neuverpflichtung und der Ungarin Maria Fazekas will der TTSV, wie der Manager bestätigte, um die Meisterschaft mitspielen. „Wir haben uns erheblich verstärkt und belegten in der vergangenen Saison schon Platz zwei. Der Titelgewinn ist unser Credo, das wir aber nicht an die große Glocke hängen wollen, denn es kann immer etwas schief gehen. Wir werden geschickt taktieren, damit wir vor jeder Partie das Quartett finden, das erfolgreich sein kann. Dabei übernehmen die Spielerinnen auch Eigenverantwortung“, sagt Falk. Der ttc berlin eastside sei amtierender Champions-League-Sieger, also stärkste Mannschaft in Europa, und auch 

Li Fen ist weiterhin die Nummer eins, obwohl sich der TTSV kräftig Verstärkung holte (Aufnahme: Klaus Maurer)Li Fen ist weiterhin die Nummer eins, obwohl sich der TTSV kräftig Verstärkung holte (Aufnahme: Klaus Maurer)
sonst sei kein Selbstläufer in Sicht. „Wir erlebten in der vergangenen Saison auch Höhen und Tiefen. Ob alles funktioniert, warten wir ab“, meint der Manager.

Lobenswert seien die Voraussetzungen beim NSC Watzenborn-Steinberg, wo die Spielerinnen alle einem ordentlichen Beruf nachgehen würden, doch sie würden es genau so schwer haben wie die Mannschaft aus Leipzig. Einen besonderen Wert legt der Manager darauf, dass er mit vier EU-Ausländerinnen in den voraussichtlichen Topspielen antrete und nicht mit vier Chinesinnen. „Li Jiao und Li Jie sind Niederländerinnen, Nixi ist Luxemburgerin und die beste Akteurin der Saison 2011/12, Li Fen, besitzt inzwischen einen schwedischen Pass. Sie ist auch schon fünf Jahre bei uns“, erklärt Falk.

Li Jiao ist die Nummer 18 der Weltrangliste und Penholderspielerin. Die 39-Jährige wurde 2007, im Finale gegen Ni Xialian, und 2011 Einzeleuropameisterin, und mehrfache Mannschaftseuropameisterin. Allein viermal siegte sie beim Europe Top-12-Turnier. Seit 2005 nahm die Linkshänderin auch an jeder Weltmeisterschaft teil.

Li Jie rangiert auf Position 28 in der Weltrangliste und bevorzugt das defensive Spiel. Zusammen mit Li Jiao wurde die 28-Jährige mehrfache Europameisterin mit der niederländischen Nationalmannschaft. 2012 belegte die gebürtige Chinesin Platz zwei beim Europe Top-12, und natürlich nahm das Duo auch an den Olympischen Spielen in London teil. „Zusammen mit Ni Xialian nicht zu vergessen der Sieg in der Champions-League mit dem Klub aus Heerlen“, ergänzt Falk.

Auch Nadine Bollmeier kennt ihre neuen Kolleginnen bereits aus Heerlen. Die 31-Jährige, ehemalige Nationalspielerin wurde dreimal Deutsche Meisterin im Doppel. Ihr Wechsel erfolgte nach dem Rückzug des MTV Tostedt ins Saarland. „Nadine hat sich in Montpellier auf die Saison vorbereitet“, berichtet Falk.

Nicht nur im zu erwartenden Topspiel gegen den FSV Kroppach rechnet Falk mit der Unterstützung der heimischen Fans: „Ich gehe davon aus, dass sie die sportliche Leistung der gesamten Mannschaft honorieren.“ Doch erst am 30. September darf sich das Publikum auf die Heimpremiere in dieser Saison freuen, und dann ausgerechnet gegen Aufsteiger Leutzscher Füchse, die sich darauf verlassen haben, dass mit dem Wechsel von Mühlbach alles in Ordnung ist. Richtig in Tritt kommen möchte der Meisterschaftsfavorit am 8. September beim Aufsteiger SV DJK Kolbermoor, um dann schon das richtige Feeling für das Duell beim FSV Kroppach am 28. September erhalten zu haben.

 

ttc berlin eastside:

 

Der ttc spielt um die goldene Ananas

In Sachen Saisonziel und mannschaftlichen Veränderungen kann beim ttc berlin estside vergeblich nach Neuigkeiten gesucht werden. Georgina Pota, Vizeeuropameisterin Irene Ivancan, Petra Lovas und Polina Mikhaylova ziehen wieder an einem Strang und selbst die langjährige, in China geborene Song Ah Sim steht noch auf der Meldeliste. „Wir haben keinen Wechsel erhalten, somit ist sie immer noch spielberechtigt, aber geplant ist nichts. Und für eine andere gute Asiatin sind uns finanziell einfach die Hände gebunden“, erklärt Managerin Tanja Krämer.

Dafür baut der Verein auf die Ungarin Pota, die sich in der Weltrangliste auf Platz 44 verbesserte. „Gina gibt der Mannschaft durch ihre ruhige Art Halt. Sie ist nicht der Typ, der das Team verbal mitzieht. Gina hat sicher auch schon schlechtere Spiele abgeliefert, aber wenn es darauf ankam, wie zum Beispiel in der vergangenen Champions- League-Saison als wir uns den Titel holten, war sie zur Stelle. Und das macht schließlich eine gute Nummer eins aus“, lobt 

Die Ungarin Georgina Pota gibt ihrem Team Halt (Aufnahme: Ronny Pabst)Die Ungarin Georgina Pota gibt ihrem Team Halt (Aufnahme: Ronny Pabst)
Krämer. Erfreulich sei vor allem ihre inzwischen gesteigerte Erfolgsquote gegen defensive Spielsysteme.

An dieser Stelle sei vermerkt, dass der ttc berlin eastside erneut der einzige deutsche Klub ist, der in einem internationalen Wettbewerb antritt. In der Königsklasse hängt die Krone in der Saison 2012/13 allerdings hoch, denn Gruppengegner Linz AG Froschberg wusste sich ja mit Petrissa Solja (Saarlouis-Fraulautern) erheblich zu verstärken. Im Freizeit Forum Marzahn wird aber erst einmal am 7. September 19.15 Uhr SKST CSAD Hodonin aus Tschechien erwartet.

In einer unveränderten Formation sieht die Managerin durchaus Vorteile. „Im zweiten Jahr sollten vor allem unsere beiden letztjährigen Neuverpflichtungen Irene und Polina zeigen was sie können. Irene ist zudem unser Zugpferd gegenüber den Zuschauern. Die Motivation bei den Spielerinnen eine gute Bilanz abzuliefern ist automatisch gegeben, denn von der Nationalmannschaft allein können sie nicht leben. Den Marktwert zu halten oder sogar zu steigern ist das Bestreben“, sagt Krämer. Die richtigen Tipps und Analysen schätzen die Spielerinnen weiterhin von Irina Palina. Die mehrfache Europameisterin trainiert zudem die russische Damen-Nationalmannschaft.

Den Bronzeplatz in der Tabelle visieren die Bundeshauptstädterinnen an, den sie auch in der Serie 2011/12 inne hatten. „Wir wollten immer schon einmal Deutscher Meister werden, wollten vor allem Kroppach die Stirn bieten, um letztendlich zu der Erkenntnis zu gelangen, dass wir ihnen nicht das Wasser reichen konnten. Aber Saarlouis-Fraulautern besitzt diesmal das Zeug und die Chance etwas zu reißen, sodass die Saison interessant wird. Einer unserer schärfsten Konkurrenten wird Essen sein, die uns mit 1:3 Punkten zuletzt ganz schön weh getan haben. Bingen/Münster-Sarmsheim blieb mit Rang sechs hinter den Erwartungen zurück, aber das kann jetzt ganz anders laufen“, berichtet die Managerin. Böblingen fehle nach dem Weggang von Defensivakteurin Rosalia Stähr eine entsprechende Partnerin im Doppel für Abwehrass Qianhong Gotsch, und da Alexandra Urban vor ihrer Premiere in der 1. Liga stehe, sehe sie hier die Gefahr nicht zu groß. Aufsteiger Kolbermoor sei in erster Linie oben mit Wenling Tan-Monfardini und Jungnationalspielerin Sabine Winter ansprechend besetzt, während die anderen beiden Neulinge wohl den Abstiegsplatz unter sich ausmachen würden. „Sie können wohl nur unter dem Motto, es ist toll mal 1. Liga zu spielen, dabei sein“, ist Krämer überzeugt.

Für den Saisonausblick stand die Managerin noch gern Rede und Antwort, doch die werdende Mutter zieht sich erst einmal zurück und übergibt ihre Aufgaben neben Palina auch an Co-Manager Dietmar Großer, sodass sich schließlich doch noch News ergeben. Der 60-Jährige ist seit Jahren bei fast jedem Heimspiel der ttc-Damen dabei und richtete drei Partien erfolgreich für die Berlinerinnen in Pasewalk aus. Aufgrund seiner Arbeit als Vorsitzender bei Rotation Pasewalk verfügt er über das entsprechende Know-How. Als Hallensprecher kehrt Christian Nohl zum ttc zurück, der nach seiner zweijährigen Managertätigkeit bei 3B Berlin Tischtennis, inzwischen Geschäftsführer des Berliner Verbandes ist.

 

Martina Emmert (www.tischtennis.de)