Grenzauer und Kroppacher Asse greifen nach Medaillen PDF Drucken E-Mail
Teils schwierige Auslosung für die am Freitag beginnende EM

Von unserem Mitarbeiter René Adler

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Kristin Silbereisen vom Deutschen Meister FSV Kroppach hatte kein Glück bei der EM-Auslosung. Im Einzel warten dicke Brocken auf sie, die Medaillenchance dürfte im Doppel mit Wu Jiaduo größer sein. Foto: Marco Rosbach



Kroppach. Innerhalb von nur drei Tagen Tischtennis-Europameister zu werden, das gab es noch nie, und diese Möglichkeit haben ab dem morgigen Freitag auch fünf Asse aus dem Westerwald. Im dänischen Herning, wo erstmals Medaillen nur im Einzel und Doppel vergeben werden, sind Wu Jiaduo, Kristin Silbereisen und Krisztina Toth vom FSV Kroppach ebenso für das Hauptfeld gesetzt wie Ruwen Filus und Andrej Gacina vom TTC Zugbrücke Grenzau. Ob letztlich ein Titel herausspringt, werden die Tagesform und das nötige Quäntchen Glück entscheiden. Aber bis zu viermal Edelmetall für die heimischen Starter ist in der größten Veranstaltungshalle Dänemarks nicht unrealistisch.



„Dudu“ an Position zwei gesetzt

„Die Spielerinnen sind sehr motiviert, und wir haben auch das Ziel, Medaillen zu holen“, verdeutlicht Frauen-Bundestrainerin Jie Schöpp. Auf dem Papier hat im Einzel Wu Jiaduo die größten Chancen. Die Siegerin von 2009 und Gewinnerin des Europe Top 12 in diesem Jahr ist laut Setzliste die Nummer zwei des Turniers. „Die Spielerinnen, die von eins bis acht gesetzt sind, haben alle etwa ein ähnliches Niveau und können alle eine Medaille holen“, meint „Dudu“.

Eine der stärksten Konkurrentinnen ist aber schon vor dem ersten Aufschlag aus dem Rennen. Titelverteidigerin Li Jiao (Niederlande) musste ihre Teilnahme wegen Problemen mit dem Handgelenk und ihrem Rücken absagen. Fällt sie länger aus, könnte das auch Auswirkungen auf den Kampf um die deutsche Meisterschaft haben: Li spielt beim größten Kroppacher Rivalen TTSV Saarlouis-Fraulautern.



Abwehrspielerinnen stehen im Weg

Auf dem Weg ins Endspiel muss Wu möglicherweise drei Abwehrspielerinnen aus dem Weg räumen: Li Xue (Frankreich), Lie Jie (Holland) und im Halbfinale die Siegerin von 2009, Viktoria Pavlovich (Weißrussland), oder Vorjahres-Finalistin Irene Ivancan (Berlin). Aber auch schon in Runde zwei lauert in Bernadette Szocs aus Rumänien eine der ehrgeizigsten und lautstärksten Spielerinnen Europas: Keine jubelt so schrill wie die Jugend-Europameisterin.

Wus Vereinskollegin Kristin Silbereisen fehlte beim EM-Medientermin des Deutschen Tischtennis-Bundes und ist erst einen Tag später als ihre Kolleginnen in Herning angereist. Die 27-Jährige hat am 1. Oktober eine Ausbildung zur Physiotherapeutin begonnen, um sich etwas für die Zeit nach der sportlichen Karriere aufzubauen. Dennoch ist sie für Schöpp die Spielerin, die in letzter Zeit die größten Fortschritte gemacht hat. „Im Moment ist Kristin in einer guten Form, sie trainiert gut, nutzt praktisch jede freie Minute, auch weil sie weiß, dass sie jetzt durch die Ausbildung weniger Zeit hat“, sagt die frühere Kroppacherin. „Sie ist durchaus eine Medaillenkandidatin.“

Silbereisens Auslosung könnte allerdings kaum schwerer sein: Nach einer noch zu ermittelnden Qualifikantin und Alexandra Privalova (Weißrussland) würde im Achtelfinale die topgesetzte Spanierin Shen Yanfei warten, die seit diesem Monat erstmals in den Top Ten der Weltrangliste geführt wird. Größer sind Silbereisens Medaillenchancen im Doppel, wo sie mit Wu an Position drei/vier gesetzt ist.

Es könnte sogar zu einem Endspiel mit dreifacher Kroppacher Beteiligung kommen, denn Krisztina Toth und ihre Landsfrau Georgina Pota (Berlin) wurden in die andere Turnierhälfte gelost. Die Ungarinnen sind die Nummer zwei der Setzliste. Im Einzel wartet auf Toth schon in der zweiten Runde in der Rumänin Daniela Dodean eine höher notierte Gegnerin.



Dicke Brocken für Ruwen Filus

Abwehrass Ruwen Filus (Grenzau) ist nicht gerade vom Losglück verfolgt. Bei einem Sieg gegen einen Qualifikanten wartet der Österreicher Robert Gardos. Der Ex-Grenzauer trainiert seit vielen Jahren fast täglich mit Landsmann Chen Weixing, der ebenfalls Defensivspezialist ist. Danach ginge es gegen den Weltcup-Dritten Vladimir Samsonov (Weißrussland), der auch ausgezeichnet gegen Abwehr spielt.

Die weit größeren Chancen auf Edelmetall hat in der Multiarena Jyske Bank Boxen der zweite Grenzauer Neuzugang. Der Kroate Andrej Gacina ist mit dem Portugiesen Marcos Freitas im Doppel Titelverteidiger und an Nummer eins gesetzt. Auf die beiden potentiell größten Konkurrenten, Samsonov und den Deutschen Dimitrij Ovtcharov sowie Bojan Tokic/Aleksandar Karakasevic (Slowenien/Serbien) können sie erst im Endspiel treffen.



Revanche gegen Boll ist möglich

Die Auslosung ergab, dass die Europameister im Doppel im Einzel schon in der zweiten Runde direkt aufeinandertreffen. Danach würde Tokic warten, bevor es im Viertelfinale gegen Titelverteidiger und Topfavorit Timo Boll um eine Medaille ginge. Es wäre die Revanche für die knappe Bundesliga-Niederlage gegen den Rekord-Champion am 3. Oktober, bei der Gacina acht Matchbälle vergab. Aber bis zum erneuten Duell mit dem Düsseldorfer ist es in Herning ein weiter Weg für den Grenzauer.

Westerwälder Zeitung vom Donnerstag, 18. Oktober 2012, Seite 14