Shan Xiaona holt Titel in den Westerwald PDF Drucken E-Mail
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Das Lächeln der deutschen Meisterin: Shan Xiaona.Foto: Imago


Kroppacherin gewinnt DM-Finale gegen Bingens Barthel – Steffen Mengel überrascht Timo Boll

Bamberg. Sensationssieger Steffen Mengel hat Deutschlands Tischtennis-Star Timo Boll im Finale die Show gestohlen. Der Weltranglisten-Fünfte, der bei den 81. deutschen Meisterschaften in Bamberg seinen zehnten Titel holen wollte, hatte nach zwei vergebenen Matchbällen unerwartet mit 3:4-Sätzen das Nachsehen. „Das ist sehr schade, die Chance war groß. Die Welt geht aber nicht unter“, kommentierte der Top-Favorit seine zweite Endspiel-Niederlage bei nationalen Titelkämpfen nach 2010 in Trier gegen Christian Süß.

Nach einem Turnier mit zahlreichen Favoritenstürzen muss sich der Rekordeuropameister das Attribut DTTB-Rekordmeister wie bisher mit den neunmaligen Altmeistern Eberhard Schöler und Conny Freundorfer teilen. „Ich werde es in den nächsten Jahren weiterhin probieren. Einen Titel mehr hätte ich schon gern“, kündigte der 31 Jahre alte Linkshänder von Borussia Düsseldorf weitere Anläufe an.

B-Kader-Mitglied Mengel konnte sein Glück kaum fassen. „Ich kann das gar nicht glauben. Gegen Timo habe ich bisher immer klar verloren“, berichtete der neue deutsche Meister. Der 24 Jahre alte Hüne vom Bundesligisten Frickenhausen wuchs im Endspiel über sich hinaus. „Ich musste die ganze Zeit auf hohem Niveau spielen“, sagte Mengel. Bei der DM 2010 hatte er gegen Boll in vier Sätzen lediglich 13 Punkte erzielt.

In Schatten der dramatischen Sieben-Sätze-Partie sicherte sich Shan Xiaona vom FSV Kroppach mit 4:2 gegen die zweimalige Meisterin Zhenqi Barthel (Bingen) erstmals den Titel. Die künftige Berlinerin ist bereits die sechste gebürtige Chinesin in der Siegerliste. Bei der WM im Mai in Paris darf Shan aber nicht starten. Bis dahin bleibt für die Bundestrainer Jörg Roßkopf (Männer) und Jie Schöpp (Frauen) noch viel zu tun.

„Sorgen machen wir uns nicht, die WM ist aber eine sehr anspruchsvolle Aufgabe“, sagte DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig. Bei dem von 6500 Fans besuchten Turnier war von den WM-Kandidaten ziemlich wenig zu sehen. Der Olympia-Dritte Dimitrij Ovtcharov hatte wegen einer Leistenzerrung abgesagt, Titelverteidiger Bastian Steger gab im ersten Einzel wegen Oberschenkelproblemen auf, und Christian Süß sowie Patrick Baum flogen bereits im Achtelfinale raus. „Das muss man analysieren“, erklärte der Sportdirektor.

Westerwälder Zeitung vom Montag, 4. März 2013, Seite 22