Opas Pension als Wiege des Wunders PDF Drucken E-Mail


Rückblick Wie die Herren Leicher, Bertling und Gerasch den FSV nach oben bringen

Von unserem Redakteur Rainer Stauber



Kroppach. Man muss schon ganz tief ins Erinnerungsschatzkästchen greifen, um sich die Momente ins Gedächtnis zu rufen, in denen sich ein klitzekleiner Dorfverein in der Kroppacher Schweiz aufmachte, Tischtennis-Geschichte zu schreiben. Ein Blick zurück – verbunden mit vielen Erlebnissen, die man nicht missen möchte.

Nach einer 5:8-Niederlage gegen die ASG Altenkirchen beenden die Tischtennis-Frauen des FSV Kroppach die Saison 1994/95 als Zehnter der Bezirksliga Westerwald. Hobbysport auf dem Dorf, nicht mehr, die Heimat hieß Niemandsland. Ein Jahr später lief es deutlich besser, doch reichte Anfang April ein 8:0-Sieg am letzten Spieltag gegen Niederfischbach lediglich zu Platz zwei. Die Reserve von der Birkener Höhe war zuvor schon meilenweit enteilt. Doch Platz zwei machte Appetit auf mehr.

Im April 1996 wurde es ernst. „Der Name fiel Paps noch ein: Pavla Rampova. Sie nächtigte ja schließlich jahrelang in Opas Pension”, erzählt Kerstin Leicher. Vater Wilfried hatte damals gemeinsam mit seinen Weggefährten Hans-Jürgen Bertling und Rainer Gerasch längst den Entschluss gefasst, etwas zu wagen – argwöhnisch beäugt von der Westerwälder Konkurrenz. Der TTC Zugbrücke Grenzau hat es schließlich ja auch geschafft und erbaute in dem 89-Seelen-Dorf am Brexbach eine Tischtennis-Hochburg.

„Warum also nicht auch wir?“, fragten sich die Kroppacher Macher. Es war der Moment des Aufbruchs. Eben jene Tschechin Pavla Rampova entschied nach Abwehr von zwei Matchbällen das Duell mit dem direkten Konkurrenten VfL Grenzhausen hauchdünn. Kroppach war erstmals Meister und setzte sich dann Ende Mai auch in der Aufstiegsrunde zur Verbandsliga durch. Wieder hauchdünn, was Trainer Gerhard Schmidt so beschrieb: „Meine Spielerinnen mussten bis ans Äußerste ihrer Leistung gehen.”

War die Tischtennis-Bastion Grenzau fest in Männerhand, setzte Kroppach auf die weiblichen Reize – und das hatte nicht nur Charme, sondern auch Erfolg. Mit 36:0 Punkten wurde der Aufstieg zur Oberliga im Mai 1997 zum Klacks. Rampova und Neuzugang Katja Wingen führten die Eigengewächse Tina Burbach, Claudia Fischer, Ramona Burbach und Nina Bachenberg souverän von Sieg zu Sieg – eine Momentaufnahme.

In der idyllischen Kroppacher Schweiz geht man eigentlich wandern, dass dort auch kleine Zelluloidbällchen mit Perfektion durch die Luft fliegen, machte fortan auch überregional die Runde. Im Mai 1998 war auch der Oberligadurchmarsch in die Regionalliga perfekt – weil Leicher, Bertling, Gerasch und Co. wieder etwas gewagt, sprich investiert hatten. Daniela Novakova, Wang Yünshun („Yü”), Pavla Rampova, Katja Wingen und Tina Burbach waren nicht zu stoppen. Jetzt kommt auch Opas Pension, der damalige Berghof, wieder ins Spiel. „Dort entstand die Idee von der Bundesliga”, erinnert sich Kerstin Leicher. Eine Schnapsidee in der Kroppacher Vereinskneipe also? Mitnichten! Jetzt gab es kein Halten mehr.

Westerwälder Zeitung vom Donnerstag, 18. April 2013, Seite 13