Meisterquartett gewinnt auch sein letztes Spitzenspiel PDF Drucken E-Mail
Vorentscheidung Letzte hohe Hürde Berlin mit 6:2 besiegt – „Dudu“ vor Wechsel nach Metz – Horst Schüchen: Haben alles richtig gemacht

Von unserem Redakteur Christoph Gerhards



„Wehmut ist dabei. Aber vor allem das gute Gefühl, dass wir den Moment bestimmt haben, an dem wir aufhören.“

Wilfried Leicher, mit Hans-Jürgen Bertling und Horst Schüchen einer der Macher des Kroppacher Tischtennis-Märchens.



Kroppach. Eigentlich war alles so wie beim Kroppacher 6:2-Sieg in Berlin: Das Doppel Pota/Lovas sowie Petra Lovas in ihrem Einzel gegen ihre ungarische Landsfrau Krisztina Toth holten die beiden Punkte für die Hauptstädterinnen gegen eine letztlich zahlenmäßig klar gewinnende Meistermannschaft des FSV Kroppach.

Das Endergebnis war so wie im Herbst 2012, doch die Gefühlswelt eine ganz andere: Im letzten Topspiel seiner Vereinsgeschichte, das fast drei Stunden lang hart umkämpft war, schaffte der FSV die Vorentscheidung auf dem Weg zu seinem siebten DM-Titel. „Das war von der Stimmung her noch mal wie früher in einem Play-off-Finale“, hatte nicht nur Kroppachs Vorstandsmitglied Wilfried Leicher Gänsehaut.

Am Ende feierten die Zuschauer in der ausverkauften kleinen Halle die Mannschaft, diese bedankte sich mit La Ola bei den FSV-Anhängern. „Es tut mir sehr leid, dass diese tolle Zeit in Kroppach nun zu Ende geht“, sagte „Dudu“ Wu Jiaduo, die zwölf Jahre lang an allen Triumphen beteiligt war und nun „wahrscheinlich nach Metz“ in Frankreich wechseln wird. Sie gewann das schwierige „Schlüsselspiel“ gegen Georgina Pota, sicherte so die wichtige Kroppacher 4:2-Pausenführung und machte später gegen Irene Ivancan den „erlösenden“ fünften Punkt, bevor drei Minuten später auch „Nana“ Shan Xiaona gegen Pota gesiegt und Zähler Nummer sechs eingefahren hatte.

Shan wird mit Kristin Silbereisen vom FSV zum künftigen haushohen Titelfavoriten nach Berlin wechseln, den Petra Lovas und Polina Mikhaylova verlassen. TTC-Trainerin Irina Palina war trotz der beeindruckenden Gegenwehr ihrer Mannschaft „nicht ganz zufrieden. Die Leistung hat gestimmt, aber das Ergebnis nicht. Heute war statt des 6:2 auch ein 6:4 oder gar ein 5:5 möglich. Ich gratuliere Kroppach zur Meisterschaft.“

Das tat auch Bundestrainerin Jie Schöpp, die vom Niveau der Begegnung sehr angetan war und den Rückzug von Kroppach und Saarlouis aus der Bundesliga umso mehr bedauert: „Das ist natürlich sehr schade und gar nicht gut für das deutsche Frauen-Tischtennis.“

Angesichts des letzten großen Erfolges und der allgemeinen Entwicklung im Oberhaus, in dem sich immer mehr Vereine mit immer weniger sportlichem Niveau anfreunden, sagte hingegen FSV-Manager Horst Schüchen zum langjährigen „Macher“ Hans-Jürgen Bertling: „Jürgen, wir haben alles richtig gemacht!“

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Hinter Kristin Silbereisen und Co. liegt eine tolle Erfolgsgeschichte.

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An allen Erfolgen beteiligt: „Dudu“ Wu Jiaduo prägte den FSV Kroppach.

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Starker Rückhalt: Auf ihre treuen Fans konnten sich Krisztina Toth (links) und ihre Teamkolleginnen immer verlassen.

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Wilfried Leicher, Horst Schüchen und Hans-Jürgen Bertling (von links), die Macher des FSV Kroppach, bekamen vom Verband die Ehrennadel in Gold.


FSV Kroppach - TTC Berlin 6:2

Wu/Silbereisen - Pota/Lovas 4:11, 8:11, 11:5, 9:11; Shan/Toth - Ivancan/Mikhaylova 11:7, 11:9, 11:7; Shan - Ivancan 11:4, 11:3, 11:8; Wu - Pota 8:11, 11:5, 13:11, 16:14; Silbereisen - Mikhaylova 11:9, 11:9, 11:6; Toth - Lovas 9:11, 11:9, 14:12, 10:12, 7:11; Shan - Pota 11:4, 11:6, 10:12, 6:11, 11:8; Wu - Ivancan 11:8, 13:11, 8:11, 11:8.

Westerwälder Zeitung vom Montag, 22. April 2013, Seite 24