WM: Gacina nutzt die Chancen nicht - Kroppacher Trio im Achtelfinale raus PDF Drucken E-Mail
Kroppacher Trio im Achtelfinale raus

Von unserem Mitarbeiter René Adler


Paris. Am fünften Tag war die Tischtennis-WM in Paris für die Starter aus dem Westerwald beendet. Als „letzter Mohikaner“ scheiterte Grenzaus kroatischer Spitzenspieler Andrej Gacina in der dritten Runde des Einzel-Wettbewerbs. Für das Trio Kristin Silbereisen, „Dudu“ Wu Jiaduo und Krisztina Toth vom Deutschen Meister FSV Kroppach endete das Turnier im Achtelfinale des Doppel-Wettbewerbs. Bei der Ungarin war es nach mehr als zwei Jahrzehnten der Schlussstrich unter eine glanzvolle internationale Karriere.

Nach zwei souveränen Auftritten in der französischen Hauptstadt traf Gacina in Vladimir Samsonov auf den ersten höher gesetzten Spieler. Bislang hatte der Weltranglisten-41. noch nie gegen den 30 Plätze vor ihm liegenden Weißrussen gewonnen, aber diesmal schien etwas möglich zu sein. Doch nach ausgeglichenem Beginn vergab Gacina im dritten Durchgang zwei Satzbälle zum 2:1 und brach danach zunächst völlig ein.

Den vierten Durchgang verlor er mit 3:11. Im fünften Satz war er zurück im Match, vergab aber bei 9:7 eine Riesenmöglichkeit und musste Samsonov wenig später zum 9:11 gratulieren. Für den Kroaten war es ein Match der vergebenen Chancen.

Die deutschen EM-Dritten wollten sich gegen die Titelverteidigerinnen aus China „so gut wie möglich verkaufen“, wie es Silbereisen formuliert hatte. Tatsächlich agierten sie und Wu gegen Li Xiaoxia und Guo Yue drei Sätze lang stark – insbesondere im dritten, den sie ganz knapp mit 11:13 verloren. Damit war der Widerstand der Außenseiterinnen dann gebrochen. Beim 11:3 im vierten Durchgang hatte das seit Jahren beste Doppel der Welt leichtes Spiel.

„Es war kein Duell auf Augenhöhe, aber wir haben sehr gut gespielt“, kommentierte Silbereisen. „Bis gegen Ende war es in den ersten beiden Sätzen offen, dann haben Kleinigkeiten den Unterschied gemacht. Sie haben den Aufschlägen ein bisschen mehr Überschnitt gegeben, bei den Rückschlägen eine höhere Qualität gespielt, mal parallel abgeklappt. Wäre Guo Yue nicht so sicher gewesen, wäre in den ersten beiden Sätzen mehr drin gewesen.“

„Kristin und ,Dudu' waren ganz locker und haben taktisch super gespielt“, machte Bundestrainerin Jie Schöpp ihrem Duo ein Kompliment. „Den Chinesinnen hat man angemerkt, dass sie die beiden nicht so gut kennen. Sie haben in den ersten drei Sätzen nicht so gut platziert. Li Xiaoxia hat zwischendurch leichte Fehler gemacht, aber Guo Yue ist immer cool geblieben. Erst im vierten Satz haben sie dann unsere Schwächen angespielt.“ Wu zog dennoch eine positive Bilanz. „Ich kann mich nicht beschweren. Ich habe zweimal gegen China verloren, im Einzel und im Doppel, und habe mein Bestes gegeben“, sagte die Europameisterin von 2009. „Ich bin ganz zufrieden, auch wenn ich natürlich gerne eine Runde mehr gespielt hätte im Einzel und Doppel. Ein Spiel wie heute macht man gegen China lieber in einem Halbfinale.“

„,Dudu' und ich haben hier wirklich gute Doppel gespielt“, resümierte Silbereisen. Aber den vergebenen Chancen gegen Jiang Huajun aus Hongkong trauerte die angehende Physiotherapeutin noch nach: „Meine Enttäuschung über das verlorene Einzel ist noch nicht ganz weg. Ich habe aber gezeigt, dass ich mithalten kann, auch wenn ich wegen meiner Ausbildung weniger trainiere.“

Toth und ihre ungarische Landsfrau Georgina Pota vom TTC Berlin erlebten eine Achterbahnfahrt. Gegen die Japanerinnen Hiroko Fujii und Misako Wakamiya gewannen sie den ersten Satz, aber als sie ihre Chance auf eine 2:0-Führung vergeben hatten, folgte eine längere Krise. Der dritte Durchgang ging klar mit 4:11 weg, und auch im vierten waren die Magyarinnen lange auf der Verliererstraße, ehe sie den Satz dank ihres Kampfgeistes noch drehten und mit 13:11 gewannen. Dies stürzte die Japanerinnen in ein tiefes Loch. Mit 11:3 holten sich Toth/Pota den fünften Satz. Doch damit war der Widerstand nicht gebrochen, nach einem 9:11 mussten die Ungarinnen in den Entscheidungssatz. Hier gerieten sie schnell hoch in Rückstand und schafften es nicht mehr, das Blatt zu wenden.

So endete Toths internationale Karriere nach über 20 Jahren mit einem 5:11. Die Enttäuschung war natürlich groß, weil die Ungarinnen eine echte Siegchance hatten. Ihre zweite WM-Medaille im Doppel hätte Toth aber wohl ohnehin nicht gewonnen, denn im Viertelfinale hätten die an zwei gesetzten Chinesinnen Ding Ning und Liu Shiwen (China) gewartet. Bei Europameisterschaften stehen 26 Mal Edelmetall zu Buche, darunter sieben goldene Medaillen.

Westerwälder Zeitung vom Samstag, 18. Mai 2013, Seite 21