WM in Moskau - "Winter"-Traum im Frühling: Stimmen zum Spiel PDF Drucken E-Mail
 
Sie haben getanzt in der Box des Centrecourt-Tischs Nummer eins, und sie haben gesungen. "Du bist so cool, cool, cool", der Refrain aus dem Song "Cool" der deutschen A-capella-Band "Basta", den Kristin Silbereisen ihrem Team schon zu Turnierbeginn als Ohrwurm verpasst hatte. "Wahnsinn", "Ich bin sprachlos", "Das ist unglaublich", sind die Begriffe, die das deutsche Damen-Team für seinem sensationellen Einzug ins Halbfinale bei den 50. Mannschaftsweltmeisterschaften in Moskau kurz nach dem Spiel finden konnte. Und noch mehr: "Wie Sabine spielt, das ist der ‚Winter-Traum‘ im Frühling", sagte Bundestrainer Jörg Bitzigeio über seine 17-jährige WM-Debütantin. Und diese Sabine Winter macht eigentlich nichts besonderes, wie sie selbst findet: "Ich muss immer nur einen Aufschlag machen und Vorhand-Topspin ziehen. Was anderes kann ich nicht."
 

Jörg Bitzigeio, Bundestrainer: „Eine Medaille bei einer WM ist absolut unglaublich. Was die Spielerinnen hier als Team leisten, ist Wahnsinn, und zwar jede einzelne, ob in oder an der Box.

Wir haben vor zwei Jahren noch viel Prügel kassiert, bei der WM in Guangzhou und bei den Olympischen Spielen in Peking. Danach ist es langsam bergauf gegangen. Die Europameisterschaften in Stuttgart 2009 waren schon ein Highlight. Diese Medaille bei der WM ist das Produkt guter Arbeit einer starken Trainingsgruppe und eines guten Umfelds. Das ganze Team hier vor Ort mit allen Betreuern, die Trainer zu Hause, die Sparringspartner beim Training, der ganze Kader, das Umfeld beim DTTB – ihnen allen gehört ein Stück dieses Kuchens.

Wie Sabine spielt, das ist der ‚Winter-Traum‘ im Frühling. Ich halte sie für total verrückt. Wo soll das noch mit ihr hinführen?! Trotzdem: So ein Spiel gewinnt man nicht alleine! Alle vier Damen muss man hier absolut hervorheben.

Über die mögliche Medaille haben wir nicht nachgedacht. Wir haben es gehalten wie bisher bei jedem Spiel dieser WM: Wenn wir das Maximum unserer Leistung zeigen können, werden wir unsere Chancen bekommen.“

Sabine Winter: „Alle haben mir gesagt, ich soll locker spielen. Zhang Rui war viel nervöser als ich. Meine Nervosität war zwar groß, aber auszuhalten. Denn egal, wie groß sie ist: Ich muss immer nur einen Aufschlag machen und Vorhand-Topspin ziehen. Was anderes kann ich nicht.“

Wu Jiaduo: "Für mich war es eine Überraschung, dass ich heute diese zwei Punkte gemacht habe. Nach dem Sieg gegen Rumänien hatten wir eigentlich unser Ziel erreicht: Wir waren besser als bei der WM in Guangzhou vor zwei Jahren. Wir haben uns vor dem Spiel gegen Hongkong keine Gedanken über eine Medaille gemacht.

Nachdem Sabine gewonnen hatte, ist es plötzlich schwerer für mich geworden. Ich habe angefangen, über unsere große Chance nachzudenken. Zum Glück konnte ich noch rechtzeitig umschalten. Ich habe nur noch an 0:0 gedacht und an das Spiel, das ich machen muss: Punkt für Punkt.

Gegen Singapur haben wir in der Gruppe zwar 0:3 verloren, aber alle Sätze waren knapp. Ich will auf keinen Fall wieder 0:3 verlieren! Wir werden antreten wie gegen Hongkong. Wir werden versuchen, unser Spiel zu machen und zeigen, was wir können.“

Kristin Silbereisen: „Es ist meine erste WM-Medaille. Ich bin einfach sprachlos. Das ist mein Karrierehighlight. Na ja, eines der vielen, die hoffentlich noch kommen.

Wir haben gewusst, dass wir Hongkong schlagen können. Sabines Spiel gegen Zhang Rui war der Knackpunkt. Zhang Rui tut sich gegen Europäerinnen schwer, und ihr liegt Sabines Spiel nicht. Beim Stand von 2:1 für uns hat Jiang dann viel passiver gespielt als gegen mich. Man hat ihr den Druck deutlich angemerkt.

An wen meine erste SMS nach dem Spiel ging, weiß ich gar nicht mehr. Als ich das Handy eingeschaltet habe, sind erst mal zehn Glückwunschnachrichten gekommen. Ich habe nur noch geantwortet: ‚Danke, danke, das ist voll geil.‘“

Elke Schall: „Es ist Wahnsinn, was die Mannschaft hier leistet. Wir steigern uns von Spiel zu Spiel. Auch gegen Singapur werden wir im Halbfinale wieder alles geben. Wir wissen ja, was auf uns zukommt. Wir werden auf jeden Fall viel Spaß haben. Auch auf der Bank.“

Thomas Weikert, DTTB-Präsident: "Es ist ein unglaubliches Ergebnis. Die ganze Truppe hat hier eine super Leistung gezeigt und sich diesen Erfolg hart erarbeitet. Diese Medaille ist aber auch die Bestätigung für die sehr gute Arbeit des gesamten Trainerteams."

Dirk Schimmelpfennig, DTTB-Sportdirektor: "Das ist natürlich ein sensationelles Ergebnis. Die Damen-Mannschaft hat sich bei dieser WM riesig präsentiert", kommentierte DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig. "Wir haben uns nicht nur Chancen erspielt, sondern diese Chancen auch genutzt. Dass wir nicht nur nach der Medaille gegriffen, sondern sie jetzt auch sicher haben, ist ein traumhaftes Ergebnis. Wir hoffen, dass unsere Herren das gleich in ihrem Viertelfinale wiederholen. Beide Mannschaften auf dem Podium, das wäre ein gigantisches Ergebnis."

SH (www.tischtennis.de)