Moskau war eine Reise wert PDF Drucken E-Mail
Erfolgreiche Profis der Westerwälder Teams kehren mit Medaillen von der WM zurück

Sowohl Jiaduo Wu (FSV Kroppach) als auch Patrick Baum (TTC Zugbrücke Grenzau) kehren mit einer Medaille von der Weltmeisterschaft in Moskau in den Westerwald zurück.

MOSKAU. Jiaduo Wu (Kroppach) und Patrick Baum (Grenzau) kehren beide mit Edelmetall von der Mannschafts-WM in Moskau zurück, doch die bronzene von Dudu glänzt mindestens so hell wie die silberne von Patti, der nach Düsseldorf wechselt – weil die der Frauen so unerwartet kam und die Europameisterin einen weit größeren Anteil daran hatte als Baum, der nur in einem Gruppenspiel zum Einsatz kam und auch gestern beim 1:3 im Finale gegen China auf der Bank saß.

Als einzige Europäer und zum zweiten Mal in der Nachkriegsgeschichte standen beide deutsche Teams auf dem Podium, die Frauen erstmals seit 1997. „Diese Medaille haben wir für Deutschland, aber auch für Europa gewonnen“, sagte Bundestrainer Jörg Bitzigeio, der in Andernach geboren wurde. „Realisieren kann ich das allerdings noch nicht. Das passiert wahrscheinlich erst mit ein bisschen Abstand und ein paar Tagen Urlaub.“

Die 0:3-Niederlage im Halbfinale gegen den späteren Sensations-Weltmeister Singapur (3:1 gegen China, das die erste Niederlage seit 1991 kassierte) änderte nichts an der Bewertung. „Es herrscht weiterhin Freude pur“, erklärte Bitzigeio. Nachdem es in der Gruppe ohne Satzgewinn geblieben war, zog sich sein Team besser aus der Affäre.

Wu vergab im ersten Satz gegen die Weltranglistenzweite Feng Tianwei zwei Satzbälle und unterlag knapp mit 15:17. Danach agierte die Favoritin selbstbewusster und gewann klar. Anschließend stand die künftige Kroppacherin Kristin Silbereisen kurz vor dem Ausgleich. Sie führte gegen die frühere FSV-Spielerin Wang Gu Yue 9:6 im fünften Satz.

„In den entscheidenden Situationen habe ich mich nicht getraut zu variieren, sie zu überraschen“, analysierte die deutsche Meisterin. „Ich war heute eigentlich die bessere Spielerin.“ Danach bekam die 17-jährige Debütantin Sabine Winter (Schwabhausen), die in den beiden Runden zuvor die Schlüsselspiele gewonnen hatte, von Sun Bei Bei eine Lehrstunde.

Bitzi, wie ihn die Spielerinnen nennen, hat trotz oder vielleicht wegen seiner Jugend die richtige Ansprache gefunden, die Zwietracht vergangener Jahre in Eintracht umgewandelt. Als die erfahrene Elke Schall (Essen) nach der Vorrunde wegen Rückenproblemen passen musste, wuchs das Team sogar noch – auch dank Schall selbst, die auf der Bank alles gab und im Viertelfinale sogar in einer kritischen Situation als Coach einsprang, nachdem Bitzigeio die Rote Karte gesehen hatte. „Elkes Anteil an der Medaille ist so groß, als hätte sie mitgespielt“, lobte der Trainer. „Die Truppe macht einfach riesigen Spaß.“

Auch für die Zukunft muss dem 33-Jährigen nicht bange sein. Spitzenspielerin Wu (32) kann sicher noch einige Jahre auf diesem Niveau agieren, Silbereisen (25), Winter (17) und die 16-jährige Petrissa Solja (Saarlouis), die wegen einer Verletzung die WM absagen musste, haben ihr Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft. „Nach dem Sieg gegen Rumänien haben die Frauen ihre große Chance auf Edelmetall genutzt und gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Die nächste wichtige Zwischenstation ist die Europameisterschaft im tschechischen Ostrava im September, die ganz großen Ziele sind die Heim-WM 2012 in Dortmund und die Olympischen Spiele in London.

Wus Kroppacher Teamkollegin Krisztina Toth war mit Ungarn im Viertelfinale an Singapur gescheitert. Mehr als zwei Satzgewinne waren nicht drin, Toth hatte ihr Meisterstück beim 3:1 im Achtelfinale gegen Taiwan abgelegt. „Es war unglaublich. Ich habe in beiden Partien 0:2 zurückgelegen“, sagte sie staunend. „Gegen Cheng hatte ich zwei Matchbälle gegen mich und gegen Huang noch mal einen. Die Mädels aus Taiwan sind jung und schnell, aber manchmal entscheidet die Erfahrung.“ Toth spielte insgesamt ein starkes Turnier und landete nach einem 3:2 gegen Europameister Holland auf einem guten siebten Rang.

Polens Trainer Tomasz Krzeszewski wollte im Achtelfinale Weißrussland auf dem falschen Fuß erwischen und verzichtete unter anderem auf den Grenzauer Lucjan Blaszczyk, doch der Schuss ging nach hinten los. „Ich habe ein sehr schweres Match erwartet, aber ohne Blaszczyk und Wang Zeng Yi war Polen nicht gefährlich“, sagte der weißrussische Coach Alexander Petkevitch nach dem lockeren 3:0 mit nur einem Satzverlust. Am Ende landeten die Polen nach einem 2:3 gegen Schweden auf Rang zwölf.

Zuvor hatten sie gegen Österreich mit 2:3 verloren. Dabei kam es zum reizvollen Aufeinandertreffen der künftigen Teamkollegen Blaszczyk und Robert Gardos, das der neue Spitzenspieler des TTC nach ausgeglichenem Beginn noch klar mit 3:1 für sich entschied. Im Achtelfinale waren die Österreicher mit 0:3 an Japan gescheitert, trotz des Resultats eine enge Partie. Zunächst verspielte Ex-Weltmeister Werner Schlager eine 2:1-Satzführung und ein 9:6 im Entscheidungssatz, danach gab Chen Weixing gar ein 2:0 aus den Händen. „Wir haben alle drei eine super Leistung gezeigt, nur das Ergebnis hat nicht gestimmt“, sagte Gardos, der beim 1:3 gegen Seiya Kishikawa auch seine Chancen hatte. Letztlich bedeutete das 0:3 gegen Tschechien Platz zehn. René Adler

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Die Neu-Kroppacherin Kristin Silbereisen kehrt an der Seite von Jiaduo Wu mit einer Bronzemedaille von der Team-Weltmeisterschaft in Moskau zurück nach Deutschland. Foto: Jürgen Vohl
 

Westerwälder Zeitung vom Montag, 31. Mai 2010, Seite 14