Mit Bronze nach China PDF Drucken E-Mail

Yantai. Die chinesische 1-A-Liga der Damen heißt nicht nur so, sie ist auch 1A, was die Besetzung betrifft. Chinas Top-Nachwuchs tritt dort an, ebenso viele andere Asiatinnen, wie die nordkoreanische Spitze oder Stars aus Singapur und Japan, wie Sayaka Hirano, die Gewinnerin der German Open von 2009. Und in der vergangenen Woche auch Kristin Silbereisen. Mit der Bronzemedaille der WM im Gepäck ging es von Moskau aus direkt ins Reich der Mitte. Dieses Gastspiel war schon vor den Mannschaftsweltmeisterschaften geplant.

 

Anders als in der Superliga, der obersten Spielklasse, in der auch Chinas Elite antritt, spielt die 1-A-Liga kein System mit Heim- und Auswärtsspielen, sondern trägt an verschiedenen Orten Mannschaftsturniere aus, zu denen jeweils mehrere Teams anreisen. Für die 25-jährige Deutsche Meisterin und ihre Mannschaft Heilongjiang ging es dafür nach Yantai in der ostchinesischen Provinz Shandong.

 

Zwei bis drei Teambegegnungen pro Tag

 

„Am ersten Wettkampftag musste ich mich erst einmal eingewöhnen“, berichtet Kristin Silbereisen. Der Zeitplan war ungewohnt. Gleich am ersten Tag standen drei Spiele auf dem Programm: morgens um halb neun, um 14 und um 19 Uhr. In den Tagen danach waren die Spiele um halb neun und um 14 Uhr. „Die Pausen waren entsprechend kurz. Dieses Pensum nach der WM war nicht einfach“, sagt sie. Neu waren für sie auch die knappen Einspielzeiten. „Ich habe mich noch nie so wenig und so kurz eingespielt“, erklärt sie. „Morgens spielen sie sich alle maximal 20 Minuten ein und das meistens mit acht Leuten an einem Tisch. Nachmittags läuft es so auf zehn Minuten heraus.“ Trotz der für europäische Verhältnisse widrigen Umstände: Mit ihrer 3:3-Bilanz und einem Mittelfeldplatz für Heilongjiang bei insgesamt 13 Teams aus dem Norden kann die Noch-Busenbacherin zufrieden sein.

 

Nebenbei hat Silbereisen ihre Chinesischkenntnisse ausgebaut. Die Sprache zu lernen ist ihr Hobby, die Vermehrung der Vokabeln in Yantai war jedoch zwangsläufig: Nur eine ihrer Mannschaftskolleginnen sprach ein bisschen Englisch, die übrigen und der Coach gar nicht. „Die Beratungen in den Satzpausen liefen natürlich auf Chinesisch ab. Unser Trainer kannte das englische Wort für Topspin nicht und hat es mir dauernd auf Japanisch gesagt. Er wusste eben nicht, dass ‚Topspin‘ auf Chinesisch schon zu meinem Wortschaft gehörte. Im dritten Spiel habe ich's dann herausbekommen.“

 

Wiederholung wahrscheinlich

 

Geholfen und gedolmetscht hat zwischendurch eine ihrer besten Freundinnen, ihre Bundesliga-Teamkollegin Shan Xiao Na. „Aber das ging nur, wenn sie nicht gerade selbst gespielt hat“, so die Nummer 43 der Weltrangliste. Ob sie selbst noch einmal in der 1-A-Liga spielen würde? „Wahrscheinlich ja“, sagt Kristin Silbereisen, „wenn es von der Zeit passt. Eine interessante Erfahrung war es auf jeden Fall.“

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Kristin Silbereisen im Heilongjiang-Quartett in der Halle...

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...und privat: Am Abend ging's manchmal zum Essen an den Strand

 

SH (www.tischtennis.de)