Jugend EM: Deutsches Mädchen-Quartett unterliegt Rumänien im Finale mit 2:3 PDF Drucken E-Mail

Istanbul. Sie wollten einfach nur so schnell wie möglich in das Mannschaftshotel. Sabine Winter, Kathrin Mühlbach, Anna Krieghoff und Anja Schuh standen bei den 53. Jugend-Europameisterschaften in Istanbul kurz vor dem Gewinn der Goldmedaille im Team-Wettbewerb der Mädchen. In einem mitreißenden und packenden Finale unterlag das Quartett von Bundestrainerin Eva Jeler jedoch äußerst unglücklich Rumänien mit 2:3. Dementsprechend groß war die Enttäuschung unmittelbar im Anschluss an die hochklassige und dramatische Partie. Sowohl Sabine Winter als auch Anna Krieghoff ließen ihren Tränen freien lauf. Kathrin Mühlbach sowie Anja Schuh starrten ins Leere. Eva Jeler musste der internationalen Presse erste Interviewwünsche erfüllen und stellte fest, „dass wir letztlich das Endspiel auf Grund einiger taktischer Fehler verloren haben“.

DTTB-Mädchen waren vor Rumänien gewarnt

Doch alles der Reihe nach: Mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen stellte sich der Vorjahresdritte zum Finale auf. Die vorab verkündete Zielsetzung, eine Medaille mit nach Hause nehmen zu wollen und sich erst vor Ort für die Farbe zu entscheiden, ging bis dato auf. „Wir sind im Endspiel. Es steht doch außer Frage, dass wir natürlich jetzt Gold anstreben“, verkündete Winter beim morgendlichen Frühstück. „Aber Rumänien ist ein starker Gegner, der immerhin die an Position zwei gesetzte Mannschaft aus Ungarn im Halbfinale besiegte.“ Den letzten Vergleich bei einem großen Turnier mit den Rumäninnen gewannen die DTTB-Mädchen. Bei den Jugend-Weltmeisterschaften im Dezember des vergangenen Jahres sprang in Cartagena (Kolumbien) ein 3:2-Erfolg heraus.

Sabine Winter brachte ihr Team mit 1:0 in Front

Der Auftakt hätte erfolgreicher nicht sein können: Die Europaranglisten-Erste Sabine Winter sorgte mit einem hart erkämpften 3:2-Erfolg gegen Maria Postoaca für die 1:0-Führung. „Ich war insgesamt sehr eisig und habe mir den Sieg am Ende reingezittert“, gestand die 17-Jährige. Im Entscheidungssatz ließ die Bundesligaspielerin des TSV Schwabhausen beim Stand von 10:8 zunächst zwei Matchbälle ungenutzt, um dann jedoch in der Verlängerung mit 13:11 die Oberhand zu behalten. Chancenlos war dagegen im Anschluss Kathrin Mühlbach, die Cristina Hirici 1:3 unterlag.

Erste Einzelniederlage für Anna Krieghoff

 

Nach fünf Siegen in den ersten fünf Einzeln ging Anna Krieghoff mit einer gesunden Portion Selbstvertrauen in den Vergleich mit Andrada Vincze. Doch ausgerechnet im Endspiel riss die makellose Bilanz. Mit 13:11 setzte sich Vincze im fünften Satz durch und hatte in der Verlängerung gleich dreifach Glück mit unerreichbaren Netz- und Kantenbällen. „So gut wie heute habe ich Andrada Vincze noch nicht spielen sehen“, resümierte Krieghoff. „Mir ist unerklärlich, wie man in der entscheidenden Phase des Spiels so viel Schwein haben kann.“ Jugendsport-Koordinatorin Eva Jeler spricht selten über Glück und Pech im Sport. „Doch diesmal muss ich wirklich sagen, dass Rumänien Fortune hatte.“ Die unglückliche Niederlage von Anna Krieghoff nahm Sabine Winter zum Anlass, mit einer „gehörigen Portion Frust im Bauch“ die Partie gegen Cristina Hirici anzugehen. Eine Taktik, die zu 100 Prozent aufging. Die Europe-Top 10-Siegerin stellte einmal mehr ihre derzeit sehr gute Form unter Beweis und machte deutlich, dass mit ihr auch bei der Titelvergabe im Einzel zu rechnen sein wird. Beim 11:3, 11:6, 7:11 und 11:4-Sieg brannte die Deutsche ein regelrechtes Feuerwerk ab und sorgte so für den 2:2-Ausgleich.

 

Kathrin Mühlbach agierte einige Male zu vorsichtig

Der gesamte Druck lag im fünften und letzten Einzel auf den schmalen Schultern von Kathrin Mühlbach, die gegen Maria Postoaca unbedingt gewinnen musste. Gleiches galt natürlich auch für die Rumänin, die den deutlich entspannteren Eindruck am Tisch hinterließ. Mühlbach agierte teilweise zu hektisch, in den entscheidenden Phasen verließ sie zudem der Mut. „Die Angst ist der Feind von Kathrin“, erkannte Jeler. „Damit muss versucht werden umzugehen.“ Mit 14:12 und 11:9 lag der Neuzugang des TSV Schwabhausen schon in Front, verlor am Ende jedoch mit 7:11, 11:13 und 9:11. Sowohl im vierten als auch fünften Durchgang war Mühlbach lediglich zwei Punkte vom Matchgewinn und der damit verbundenen Goldmedaille entfernt. Doch es sollte nicht sein. Symptomatisch der Verlauf des letzten Satzes: Einen 1:7-Rückstand holte die Deutsche auf und glich zum 9:9 aus. Die nächsten zwei Punkte gingen jedoch an Postoaca. Bezeichnend für die gesamte Partie, dass der letzte Ballwechsel mit einem Netzball zu Gunsten der Rumänin endete.

Freier Tag dient zum Abschalten und zur Erholung

 

Trotz der unglücklichen Niederlage hofft Eva Jeler, „dass die Spielerinnen auch aus dieser Begegnung ihre Lehren ziehen werden“. Im Klartext heißt dies: „Auf diesem hohen Niveau muss diszipliniert gespielt werden. Kleinere Aussetzer werden direkt bestraft. Wenn die Spielerinnen dies für ihre weitere Zukunft mitnehmen, dann bin ich auch mit dem zweiten Platz zufrieden.“ In kämpferischer Hinsicht zeigte sich die Bundestrainerin stolz auf ihr Quartett. „Deshalb können wir auch erhobenen Hauptes die Halle verlassen.“ Am morgigen freien Tag hat die Mannschaft nun die Gelegenheit, ein wenig abzuschalten und sich auf die Individual-Konkurrenzen vorzubereiten. Anna Krieghoff kündigte schon an, „dass wir nun im Einzel und Doppel Rumänien bezwingen wollen“. Sabine Winter spricht von „weiteren Medaillenträumen“. Keine Frage - es wird wieder aufwärts gehen mit den DTTB-Mädchen. Hoffentlich schon am Donnerstag.

Deutschland - Rumänien 2:3
Sabine Winter - Maria Postoaca 3:2 (-10, 9, 4, -8, 11)
Kathrin Mühlbach - Cristina Hirici 1:3 (-7, -5, 3, -4)
Anna Krieghoff - Andrada Vincze 2:3 (-4, 4, 4, -6, -11)
Sabine Winter - Cristina Hirici 3:1 (3, 6, -7, 4)
Kathrin Mühlbach - Maria Postoaca 2:3 (12, 9, -7, -11, -9)
 

Aus Istanbul berichtet Marco Steinbrenner (www.tischtennis.de)