Der FSV Kroppach bleibt erfolgshungrig PDF Drucken E-Mail

Frankfurt/Main. Der amtierende Deutsche Meister FSV Kroppach gibt sich mit dem Erreichten nicht zufrieden. Nach drei Titelgewinnen in Folge will sich der Klub aus dem Westerwald weiter als Serientäter hervorheben und peilt auch in der bevorstehenden Saison 2010/11 die Spitzenposition an. Ansonsten zeigen derzeit viele Kritiker mit dem Finger auf die Damen-Bundesliga, die nach Rückkehr zum alten Vierersytem und bei nur neun startenden Teams, auf dem absteigenden Ast sei. Doch bei näherem Betrachten wird sich nach Meinung der Beteiligten zeigen, dass erneut hochklassige und spannende Spiele zu erwarten sind. Die Liga präsentiere sich hinter Kroppach-Verfolger ttc berlin eastside alles andere als langweilig. Die Berliner versuchen unter neuem Namen am Image der scheinbar unbesiegbaren Kroppacher zu kratzen, denn einem Deutschen Meistertitel jagten sie in den vergangenen Jahren, noch unter dem Namen 3B Berlin Tischtennis, vergeblich nach.

Die beiden Aufsteiger TSV Schwabhausen und TTK Anröchte erweitern das bunte Bild der Eliteliga. Für den TSV bedeutet dieser Schritt den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte, der TTK will beweisen, dass sie seit dem ersten Auftritt 2005/06 und dem Abstieg im Jahr danach besser vorbereitet sind.

In drei Abschnitten möchten sich die Mannschaften nun vorstellen:

Teil I: FSV Kroppach, ttc berlin eastside und TTSV Saarlouis-Fraulautern

Teil II: DJK TuS Essen-Holsterhausen, SV Böblingen und BFV Hassia Bingen

Teil III: MTV Tostedt, TSV Schwabhausen, TTK Anröchte

 

FSV Kroppach:

Shan Xio Na, Kristin Silbereisen und Anja Schuh spielen erstmalig im Trikot des FSV

Vor der neuen Saison stimmt der FSV Kroppach das alte Lied an, zumindest was die Zielsetzung betrifft. Der Verein will zum vierten Mal hintereinander die Meisterschaft feiern. „Erfolg wird nie langweilig, eher das Gegenteil. Immer um den Klassenerhalt zu zittern zermürbt. Wir haben die Möglichkeit in der jüngsten Geschichte der Bundesliga ausgezeichnete Mannschaften auf die Beine zu stellen. Dafür sind wir das ganze Jahr aktiv, denn auch uns fällt nichts in den Schoß“, sagt Manager Horst Schüchen. Mit Shan Xiao Na und Kristin Silbereisen holte sich der rheinland-pfälzische Verein Verstärkung vom Rückzieher TV Busenbach. Die Penholderspielerin Shan Xiao Na zählt schon seit Jahren zu den besten Spielerinnen der Liga, und die deutsche Nationalspielerin Kristin Silbereisen rangiert nach konstant guten Leistungen mittlerweile rund um die Position 45 in der Weltrangliste. Ergänzt wird die Mannschaft von Europameisterin Wu Jiaduo und der Ungarin Krisztina Toth. Gute Erfahrungen sammelte das Management auch mit Sun Bei Bei aus Singapur, sie steht für Notfälle parat. Mit der gerade erst 16-jährigen Anja Schuh signalisiert der FSV Bereitschaft ein Nachwuchstalent zu fördern. Anja Schuh ließ in ihrem ersten Mädchenjahr mit der Viertelfinalteilnahme bei der Deutschen Meisterschaft und Platz zwei bei der Bundesendrangliste positive Ansätze erkennen. Außerdem war sie erst kürzlich bei der Europameisterschaft in Istanbul dabei. „Ich freue mich auf die Mannschaft um Shan. Kristin ist auf einem guten Weg. „Dudu“ und Krisztina haben letztes Jahr, als es eng wurde, den Karren aus dem Dreck gezogen. Und Anja wird auf jeden Fall ihre Chance erhalten“, erklärt Schüchen. Das Vierersystem sehe er berechenbarer, der Überraschungseffekt wie im vergangenen Jahr sei verflogen. „Da sich unsere Gegner aber auch gut verstärkt haben, hat die Liga an Qualität vielleicht sogar gewonnen. Berlin, Saarlouis-Fraulautern, Böblingen, Holsterhausen, aber auch Bingen, müssen ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen. Obwohl wir gelernt haben mit der Favoritenrolle umzugehen, werden wir den nötigen Respekt nicht vermissen lassen“, meint der Manager. Aus diesem Grund rechne er mit schönen Spielen. „Natürlich kann es sein, dass wir am Ende oben thronen, aber das ist ja auch unsere Vorgabe“, ergänzt Schüchen.

„Wir haben in der 2009/10 gesehen, wie schnell Verletzungen oder Krankheiten eine Saisonplanung auf den Kopf stellen können. Da sind wir ganz schön auf dem Zahnfleisch gekrochen. Bleiben wir diesmal davon verschont, wird sich unsere Konkurrenz ganz schön strecken müssen. Wir sind bereit die Favoritenrolle anzunehmen, ruhen uns auf dem Erfolg aber nicht aus“, stimmt Teambetreuer Dennis Leicher in den Tenor mit ein. Es sei bei der Mannschaftsplanung wichtig gewesen, dass alle fünf Spielerinnen deutsch oder zumindest englisch sprechen. Das sei bei Jia Jun zuletzt ein großes Problem gewesen. „Mit Shan und Kristin haben wir außerdem zwei Spielerinnen gefunden, die vor keinen Anpassungsproblemen stehen“, berichtet Leicher. Ein Augenmerk sei auch auf die Doppel gelegt worden, die in der Wertigkeit wieder gestiegen seien. „Anja wird soweit es die Schule zulässt, denn die liegt auch ihren Eltern sehr am Herzen, voll integriert. Sie besucht das Sportgymnasium in Koblenz. Sie soll sich ohne Druck an das Niveau und Tempo in der Liga gewöhnen“, sagt der Teambetreuer.

 

ttc berlin eastside:

Petra Lovas gibt Deutschland-Premiere und Andrea Bakula sorgt für frischen Wind

Der Traditionsclub 3B Berlin Tischtennis änderte seinen Namen in ttc berlin eastside. Die Stammmannschaft aus der vergangenen Saison ist mit Song Ah Sim, Georgina Pota und Tanja Hain-Hofmann geblieben. Managerin Irina Palina übt nun zusätzlich das Traineramt aus, außerdem steht die Abwehrspielerin in personellen Engpässen Gewehr bei Fuß. Die 30-jährige Ungarin Petra Lovas steht hingegen als Neuverpflichtung vor ihrer Deutschlandpremiere. Die Nummer 51 der Weltrangliste ist Topspinspielerin am Tisch, Rechtshänderin und mit Georgina Pota aus der Nationalmannschaft bestens bekannt. Andrea Bakula wechselte vom TuS Bad Driburg, der freiwillig die Liga verließ. Die 29 Jahre alte Kroatin, die mit ihren starken Aufschlägen besticht, vervollständigt die sehr ausgeglichen besetzte Berliner Mannschaft. „Für uns sollte das Vierersystem von Vorteil sein, weil nicht mehr der komplette Leistungsdruck auf den Schultern von Song lastet. Vielleicht kann sie auch ihre frühere Doppelstärke wieder ausspielen“, sagt Mannschaftssprecherin Tanja Hain-Hofmann. Georgina Pota werde es auf Position zwei nicht ganz so leicht haben, da sie auf einige defensiv ausgerichtete Gegnerinnen treffen würde. „Für Andrea ist die Situation bei uns anders als in Bad Driburg, denn ein gewisses - muss gewinnen – steht hinter ihren Auftritten“, erklärt Hain-Hofmann. Sie selbst sei gesundheitlich positiv voran gekommen. „Unter anderem hat man sich im Berliner Olympiastützpunkt sehr um bemüht, obwohl ich kein Kadermitglied bin. Ich kann immer etwas trainieren, wie sich mein Arm unter einer vollen Belastung verhält weiß ich noch nicht“, berichtet die 30-Jährige.

 

Da den Bundeshauptstädterinnen immer noch ein Deutscher Meister-Titel fehlt, ist die Zielsetzung klar definiert. „Aber Kroppach verfügt schon über die stärkste Mannschaft. Besteht die Möglichkeit anfangs mal beide Doppel zu gewinnen, sieht es wohlmöglich anders aus. Allerdings gleich zweimal diese Topmannschaft zu besiegen wird schon schwer, vielleicht bekommen wir Unterstützung“, hofft Hain-Hofmann. Dabei fällt ihr in erster Linie der TTSV Saarlouis-Fraulautern ein. „Sie sind brandgefährlich. Petrissa Solja wird jedoch auch den Druck einer Pflichtpunktesammlerin verspüren“, glaubt die Deutsche Meisterin von 2008. Für eine weitere nicht unerhebliche Voraussetzung müssen die Berlinerinnen noch selbst sorgen, wenn es mit einem Spitzenplatz endlich klappen soll. „Wir müssen erst einmal die Spiele gewinnen, die wir für die Basis benötigen. Denn genau daran sind wir in den vergangenen Jahren frühzeitig gescheitert“, erinnert sich Hain-Hofmann. Die gemeinsame Vorbereitung beginne eine Woche vor dem ersten Aufschlag.

 

TTSV Saarlouis-Fraulautern:

Ehemalige Deutsche Jugendmeisterin Laura Matzke übernimmt Platz von Amelie Solja

Der Vorjahresdritte TTSV Saarlouis-Fraulautern vertraut mit Li Fen, der Ungarin Maria Fazekas und Petrissa Solja auf die bewährten Kräfte. Die Hiobsbotschaft, dass Petrissa wegen einer Virusinfektion auf den Start bei den 1. Olympischen Jugend-Spielen in Singapur verzichten muss, trifft die Mannschaft kurz vor Saisonbeginn hart. „Li Fen ist natürlich unsere Leistungsträgerin. Mit ihrer 26:6-Bilanz in der vergangenen Saison trug sie maßgeblich zu unserem Erfolg bei. Für Maria ist Platz zwei sicher keine einfache Position, doch sie hat schon gezeigt, dass sie auch größeren Herausforderungen gewachsen ist. Sie ist zudem eine sehr erfahrene Spielerin“, erklärt Manager Heinz Falk. Von der inzwischen 16-Jährigen Petrissa Solja verspricht sich der Verein ein dickes Plus. Die Linkshänderin hat die Schule gewechselt, und sie wird in zwei Jahren versuchen die Fachhochschulreife zu erlangen. „Petrissa geht hier in Saarlouis zur Schule, an der ich auch unterrichte. Wir sind eine kaufmännisch orientierte Schule. Sie kommt an zwei Tagen in der Woche, der Rest wird in der elften Klasse als Praktikum absolviert. Petrissa bekam diese Möglichkeit bei der Firma Joola. Über ihre Tätigkeiten muss sie selbstverständlich ein Berichtsheft führen, doch zeitlich ist sie etwas freier“, informiert Falk. Mit dem Trainingszentrum in Düsseldorf gibt es einen eng abgesteckten Plan.

 

„Für Amelie Solja haben wir mit Laura Matzke eine junge deutsche Spielerin verpflichtet. Das war auch unseren Sponsoren wichtig. Laura ist sehr trainingsfleißig, und sie will sich voll auf Tischtennis konzentrieren. Im Dreiersystem wurden diese Spielerinnen als Nummer zwei verheizt. Petrissa quittierte viele bittere Niederlagen. Vielfach legte das Match erst nach der Pause an Spannung zu. In der kommenden Saison werden Akteurinnen wie Laura mehr Spielpraxis bekommen, und sie werden sich mit den Gegnerinnen auf Augenhöhe befinden“, ist der Manager überzeugt.

Die Perspektiven für die Saison 2010/11 beurteilt der Manager zurückhaltend: „Spielt der FSV Kroppach komplett, ist er nur schwer zu knacken. Ich sehe uns aber auch gar nicht im engeren Verfolgerkreis. Mannschaften wie Bingen und Berlin sind von der Papierform her gut oder sogar besser aufgestellt, auch das Mittelfeld ist sehr ausgeglichen. Wir hoffen, dass wir nicht mit dem Abstieg in Berührung kommen.“

 
Teil II folgt.

 

 

Martina Emmert (www.tischtennis.de)