Silbereisen erreicht Viertelfinale PDF Drucken E-Mail
Lopech für Wu und Toth in Lüttich beim Top-12-Turnier
 
Von unserem Mitarbeiter René Adler
 
Lüttich. Durch den Nachrücker Robert Gardos vom TTC Grenzau gingen beim Europe-Top-12-Turnier sogar vier Tischtennisprofis aus dem Westerwald an den Start, doch nach dem ersten Tag in Lüttich waren sie alle schon zum Zuschauen verdammt. Das beste Ergebnis erzielte Kristin Silbereisen (FSV Kroppach), die bei ihrem Debüt beim zweitwichtigsten kontinentalen Turnier das Viertelfinale erreichte. Ihre Teamkolleginnen Jiaduo Wu und Krisztina Toth ereilte das Aus ebenso bereits in der Vorrunde wie Gardos.
Im Kampf um den Einzug ins Semifinale lieferte Silbereisen Europameisterin Viktoria Pavlovich (Weißrussland) ein offenes Match, das sie knapp mit 2:4 verlor. „Sie war in einem Spiel auf hohem Niveau ebenbürtig“, analysierte Bundestrainer Jörg Bitzigeio. „Bei der EM 2009 hat sie gegen dieselbe Gegnerin noch sang- und klanglos mit 0:4 verloren.“ Ärgerlich war vor allem der Verlust des dritten Durchgangs, in dem die 25-Jährige einen Satzball nicht nutzen konnte. Dennoch stand für den Coach fest: „Das war ein Riesenspiel gegen eine Pavlovich, die in extrem guter Form ist. Auch wenn man nach einer Niederlage erst einmal enttäuscht ist – das war wieder ein Schritt nach vorne für Kristin.“
 
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Kristin Silbereisen vom FSV Kroppach (Foto) erreichte beim Europe Top 12-Turnier in Lüttich das Viertelfinale und unterlag dort der Europameisterin Viktoria Pavlovich aus Weißrussland mit 2:4. Foto: Jürgen Vohl

 

„Glücklich über meine Leistung“

„Vor dem Turnier wusste ich nicht genau, wo ich stand, da ich durch einen sechswöchigen Bundeswehrlehrgang und Wiederaufbau fast drei Monate kein internationales Turnier mehr gespielt habe“, schätzte Silbereisen ihre Vorstellungen in Lüttich zurecht hoch ein. „Ich bin natürlich glücklich über meine Leistung“, freute sie sich über ihre guten Spiele vor rund 2000 Zuschauern. „Es ist schon etwas anderes, bei einem so renommierten Turnier an nur vier Tischen zu spielen als fast anonym bei irgendeinem Pro-Tour-Turnier an 16 Platten. Da ist man schon einen Tick angespannter.“

Diese Anspannung setzte sie auch in ihren anderen beiden Partien in positive Energie um. Dennoch gelang es Silbereisen im Auftakteinzel gegen Lie Jie nicht, ihren jüngsten Sieg gegen die Niederländerin zu wiederholen. Nach gewonnenem ersten Satz hatte sie keine Chance mehr, weil die Abwehrspielerin bei ihren Angriffen „einfach zu sicher war.“ Danach gelang es Silbereisen aber, die Rumänin Daniela Dodean zum zweiten Mal in Folge zu besiegen. Warum das 4:2 nicht nur für das Weiterkommen in Belgien wichtig war, erklärte der Bundestrainer: „Dodean gehört wie ihre ebenfalls in der Vorrunde ausgeschiedene Landsfrau Samara zu Kristins unmittelbaren Konkurrentinnen um einen direkten Olympiastartplatz. Gegenüber beiden hat sie hier etwas gut gemacht.“

Während die Auslosung bei Silbereisen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hatte, meinte Jiaduo Wu nur ironisch: „Ich freue mich.“ Sie musste gegen zwei Gegnerinnen antreten, die sie noch nie besiegt hatte. „Es gibt immer ein erstes Mal, und wir wollen dafür sorgen, dass das an diesem Wochenende passiert“, machte ihr der Bundestrainer Mut. Umso erregter war Bitzigeio nach dem Auftakt gegen Liu Jia (Österreich): „Bei 1:2 und 10:9 ist ein Ball von Wu nicht gezählt worden, der noch klar die Kante berührt hat. Man hat auch an der Reaktion von Liu Jia gesehen, dass sie den Punkt für Wu bemerkt hat. Sie wusste, dass bei einem Satzausgleich vielleicht ihre Felle davonschwimmen würden. Das fand ich sehr unsportlich.“

„Der Ball war ganz deutlich am Tisch“, meinte auch Wu. „Bei 2:2 wäre das Spiel vielleicht anders gelaufen.“ Stattdessen stand „Dudu“ nach einer 1:4-Niederlage vor einer fast unlösbaren Aufgabe: Um das Viertelfinale zu erreichen, musste sie Abwehrspezialistin Li Qian (Polen) mindestens 4:1 bezwingen, und schon nach dem vierten Satz war ihr Vorrundenaus besiegelt, wie im vergangenen Jahr. „Die Hypothek des 1:4 war letztlich zu schwer“, analysierte Bitzigeio. „Trotzdem ist es schön, dass Dudu am Ende 4:3 gewonnen hat, denn bisher war ihr bestes Resultat gegen Li Qian ein 2:4 gewesen.“

Auch Krisztina Toth blieb diesmal in der Vorrunde auf der Strecke. Dabei zeigte die Vorjahresdritte ebenfalls keine schlechten Leistungen. Zum Auftakt egalisierte sie gegen Shen Yanfei (Spanien) einen 1:3-Rückstand, doch im Entscheidungssatz verließen sie nach unzähligen langen Ballwechseln in der Ballonabwehr etwas die Kräfte. Auch Europameisterin Pavlovich lieferte die Kroppacherin ein offenes Match, in dem es aber nur zu zwei Satzgewinnen reichte.

 

Robert Gardos verpasst das 4:1

Last-Minute-Nachrücker Robert Gardos startete mit einer zu erwartenden 1:4-Niederlage gegen den topgesetzten Weißrussen Wladimir Samsonow. Dann wurde der Österreicher davon überrascht, dass der Turnierfavorit dem Rumänen Adrian Crisan unterlag. Für Gardos bedeutete dies: Er musste sein zweites Match gegen den Bundesligaspieler von Werder Bremen mindestens mit 4:1 gewinnen. Davon war er bei einer 3:1-Führung nur noch einen Satz entfernt, doch im fünften Durchgang lief bei „Robbie“ nichts zusammen. Dass er am Ende bei seiner dritten Teilnahme erstmals ein Einzel gewann (4:2), war ein recht schwacher Trost für den Mann, der am Freitagvormittag sein Training in Grenzau abgebrochen hatte, um eiligst nach Belgien zu fahren.
 
 Westerwälder Zeitung vom Montag, 7. Februar 2011, Seite 23 
 
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 07. Februar 2011 um 08:46 Uhr