EM Danzig - Deutsche Damen müssen weiter auf EM-Medaille warten PDF Drucken E-Mail
Danzig. "Die Enttäuschung ist riesengroß." Damit brachte es Bundestrainer Jörg Bitzigeio auf den Punkt. Deutschlands Damen müssen nach einer knappen 2:3-Niederlage gegen Rekord-Europameister Ungarn im Viertelfinale bei kontinentalen Titelkämpfen weiter auf die erste Medaille seit 2007 (Bronze in Belgrad) warten.

Trotz zweier Punkte durch Irene Ivancan (Berlin), die heute auf der Spitzenposition bei ihrem Nationalteam-Comeback erneut brillierte, reichte es nicht für mehr. Zu clever und abgeklärt spielten die routinierten Ungarinnen in den entscheidenden Phasen, zu nervös und zu wenig variabel die Deutschen in denselben Situationen. Dabei hatten sowohl Kristin Silbereisen (Kroppach) als auch Zhenqi Barthel (Bingen/Münster-Sarmsheim) ihre Chancen.

Silbereisen wollte zu viel


Barthel, an Position drei beim Stand von 1:1 in die Box gegangen, dominierte ihre Kontrahentin Petra Lovas vom Bundesligakonkurrenten ttc berlin eastside in den ersten beiden Durchgängen nach Belieben. Was danach passierte, konnte sie selbst nicht ganz erklären: „Eigentlich habe ich nicht schlecht gespielt. Auch in den letzten drei Sätzen nicht", sagte die amtierende Deutsche Einzelmeisterin. "Sie hat sich aber besser auf meinen Rhythmus eingestellt. Ich hätte taktisch etwas ändern oder mein Tempo variieren müssen." Sie ergänzte: "Ich habe gegenüber der Mannschaft ein schlechtes Gewissen. Hätte ich gewonnen, wären wir mit einem 3:1 ins Halbfinale eingezogen."

Nach einem nervösen Beginn gegen Georgina Pota, in dem Kristin Silbereisen in ihren ersten Einzel nie zu ihrem Spiel fand und ihre erste 0:3-Niederlage gegen die Berlinerin kassierte, startete sie in die Partie gegen ihre Kroppacher Teamkollegin Krisztina Toth wie ausgewechselt. Nach schnell gewonnenem ersten Durchgang, schaffte die 37-jährige Linkshänderin und Dauer-Nummer-eins der Ungarinnen zwar den Satzausgleich, doch Silbereisen ging in Durchgang drei direkt mit 6:1 in Führung. "Dann wollte ich aber zu viel, vor allem mit meinen Rückschlägen", so Silbereisen. "Am Ende kam ich auch mit ihrem Spin nicht mehr zurecht. Sie hat immer mehr Selbstvertrauen gekriegt, und ich wurde immer unsicherer."

Ivancan: "Ein bisschen ohne Worte"


Irene Ivancan konnte ihre Gefühlslage kaum in Worte fassen: "Dass es nicht gereicht hat, ist sehr bitter. Wir sind spielerisch mindestens ebenbürtig gewesen. Es war ein offener Schlagabtausch. Ich bin gerade ein bisschen ohne Worte, einfach sprachlos." Auch im Nachhinein bekräftigt sie die richtige Zusammenstellung des Teams, in dem Wu Jiaduo aufgrund eines kleinen Formtiefs in den ersten EM-Tagen heute nur auf der Bank saß: "Wir saßen gestern lange zusammen wegen der Aufstellung", beschrieb die 28-jährige Deutsche Doppelmeisterin. "Die Entscheidung haben die Trainer dann unter Berücksichtigung der letzten Tage gefällt. Ich bin auch immer noch davon überzeugt, dass das heute die beste Aufstellung war."

Bundestrainer Jörg Bitzigeio zollte den Ungarinnen ein Lob und versprach, im kommenden Jahr bei der EM wieder angreifen zu wollen. "In den entscheidenden Phasen hatten die Ungarn immer eine andere, bessere Idee. Das muss man anerkennen. Wir probieren es 2012 wieder, irgendwann platzt bei uns der Knoten." Bitzigeio hob die Leistung Irene Ivancans hervor, führte aber aus: "Wir gewinnen und wir verlieren zusammen. Zwei Siege einer Spielerin nützen leider nichts, wenn wir den dritten Punkt nicht holen. Was zählt, ist immer die geschlossene Mannschaftsleistung."

Deutsche Damen müssen weiter auf EM-Medaille wartenDie starken Auftritte von Irene Ivancan verdienten Anerkennung auch bei Bundestrainer Jörg Bitzigeio (Foto: MS)

Am Dienstag zunächst gegen Spanien


Die Einstellung seines Teams habe gestimmt. „Wir haben eine deutsche Mannschaft gesehen, die bis zuletzt gekämpft hat und erhobenen Hauptes die Halle verlassen kann", sagte er. Und mit dieser Einstellung geht es morgen für Deutschlands Damen in die Platzierungsspiele um die Ränge fünf bis acht. Erster Gegner um zehn Uhr ist Spanien.

Deutschland - Ungarn 2:3
Irene Ivancan - Krisztina Toth 3:1 (6, -6, 7, 8)
Kristin Silbereisen - Georgina Pota 0:3 (-8, -3, -10)
Zhenqi Barthel - Petra Lovas 2:3 (9, 6, -7, -7, -8)
Ivancan - Pota 3:0 (8, 9, 5)
Silbereisen - Toth 1:3 (6, -5, -7, -6)

Dienstag, Platzierungsspiele um die Ränge fünf bis acht
Deutschland - Spanien, 10 Uhr
2. Spiel um 16 Uhr



Ihre Leistung war medaillenreif: Irene Ivancan bezwingt Krisztina Toth und Georgina PotaIhre Leistung war medaillenreif: Irene Ivancan bezwingt Krisztina Toth und Georgina Pota

Siegerinnenjubel bei Ungarns Damen
Siegerinnenjubel bei Ungarns Damen

SH/FL (www.tischtennis.de)