„Dudu“ Wu Jiaduo feiert einen doppelten Triumph PDF Drucken E-Mail
Beste deutsche Spielerin holt endlich den ersten DM-Einzeltitel

Von unserem Mitarbeiter René Adler


Berlin. Zweieinhalb Jahre nach ihrem EM-Triumph und nur einen Monat nach dem Sieg beim Europe Top 12-Turnier hat es die seit Jahren beste deutsche Tischtennisspielerin endlich geschafft, zum ersten Mal Deutsche Meisterin im Einzel zu werden. Im Berliner Velodrom wurde Wu Jiaduo vom FSV Kroppach diesmal ihrer Favoritenrolle gerecht und durfte sich zudem über den Titel im Doppel an der Seite von Klubkollegin Kristin Silbereisen freuen, die im Einzel enttäuschte. Das galt erst recht für den Grenzauer Zoltan Fejer-Konnerth, während das frühe Aus von Dennis Müller aus der Zweitliga-Reserve nicht überraschend kam.

„Ich freue mich über die beiden deutschen Meistertitel heute wie über den Sieg bei den Europameisterschaften 2009 und dem Europe Top 12 im Februar“, sagte „Dudu“ nach dem 4:2 im Finale gegen ihre junge Nationalmannschaftskollegin Sabine Winter (TSV Schwabhausen). „Es ist sehr schwer, Deutsche Meisterin zu werden. Wir Nationalspielerinnen trainieren jeden Tag zusammen in Düsseldorf, kennen alle unsere Stärken und Schwächen bis ins Detail. Gegen Ausländerinnen ist es tatsächlich einfacher für mich.“

Das bekam Wu nach einem problemlosen 4:0 gegen Zweitligaspielerin Theresa Kraft (Busenbach) in jedem Match zu spüren. Schon beim 4:2 gegen Tanja Krämer (Berlin) musste sie sich mächtig strecken. In einem kuriosen Viertelfinale gegen Krafts Teamkollegin Jessica Göbel stand sie sogar kurz vor dem Aus. Die Kroppacherin gewann die ersten beiden Sätzen gegen die frühere Nationalspielerin locker mit 11:2 und 11:3 und führte im dritten mit 10:6. „Dann war bei mir der Kopf etwas weg“, sagte sie später über drei verlorene Sätze am Stück. „Dudu“ stand mit dem Rücken zur Wand, rettete sich aber mit einem 12:10 in den Entscheidungssatz, den sie mit 11:9 gewann. „Das war richtig knapp“, atmete die Weltranglisten-18. tief durch.



Keine Spaziergänge für Siegerin

Auch die 4:2-Erfolge gegen Nadine Bollmeier (MTV Tostedt), die im Viertelfinale Silbereisen überraschend in fünf Sätzen ausgeschaltet hatte, und Winter, zuvor Bezwingerin von Titelverteidigerin Zhenqi Barthel (Bingen) und der EM-Zweiten Irene Ivancan, waren alles andere als Spaziergänge für die gebürtige Chinesin. „Wenn du ins Turnier gehst und denkst, du musst als Nummer eins alles gewinnen, dann wird es nicht funktionieren“, verriet sie ihr Erfolgsrezept. „Ich denke immer, dass ich erst mal gegen die anderen gewinnen muss.“

Anders als bei der EM 2009 kennt „Dudu“ schon den Platz für den DM-Pokal. Er kommt zu den Trophäen von Europameisterschaft und Europe Top 12. „Das ist jetzt kein Schreibtisch mehr, sondern ein Pokaltisch“, meinte Wu – und machte gleich klar, dass ihr Hunger nach Titeln nicht etwa gestillt ist: „Ich brauche bald ein Regal.“

Zumal sie mit Kristin Silbereisen auch im Doppel ganz oben auf dem Treppchen stand. Die Nationalspielerinnen bezwangen die Überraschungs-Finalistinnen Göbel/Kraft in sechs Sätzen. Auch Krämer/Petrissa Solja (Saarlouis-Fraulautern) hatten sie beim 4:2 in der Vorschlussrunde gefordert, klarer war es zuvor gegen Alexandra Scheld/Nadine Sillus (Uentrop/3:0) und Svenja Obst/Yvonne Kaiser (Tostedt/4:1) zugegangen.

Für beide FSV-Damen war es der erste gemeinsame und der insgesamt zweite Erfolg im Doppel nach 2006 (Wu mit der damaligen Kroppacherin Nicole Struse) und 2009 (Silbereisen mit Barthel). „Der Doppel-Titel tröstet in jedem Fall darüber hinweg. Der Meistertitel hat auch im Doppel einen hohen Stellenwert“, mochte Silbereisen ihrem frühen Scheitern im Einzel nicht mehr hinterher trauern. Die 26-Jährige, Titelträgerin von 2010, verlor nach klaren Siegen gegen die Zweitligaspielerinnen Kaiser (Tostedt/4:0) und Chantal Mantz (Kolbermoor/4:1) deutlich mit 1:4 gegen Bollmeier, die feststellte: „Die letzten Spiele habe ich gegen Kristin verloren, aber heute habe ich gemerkt, dass sie nervös ist.“

Ob es daran lag oder andere Gründe hatte: Noch deutlich schlechter lief es für den Grenzauer Zoltan Fejer-Konnerth. Dessen 2:4 gegen Hermann Mühlbach vom Zweitligisten Celle war die größte Überraschung in der ersten Hauptrunde. Nicht unerwartet kam das frühe Aus im Doppel an der Seite von Dennis Müller aus der Zweitliga-Reserve des TTC gegen Steffen Mengel/Patrick Franziska vom Erstligisten Hanau. In der Einzel-Qualifikation startete Müller mit einem 3:2 gegen Qiu Liang (Frickenhausen II), schied aber als Gruppendritter aus, weil es gegen Thomas Brosig (Jülich) und Matthias Bomsdorf (Seligenstadt) nur zu je einem Satzgewinn reichte.

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Wu Jiaduo (vorn links) und Kristin Silbereisen vom FSV Kroppach sicherten sich bei den deutschen Meisterschaften in Berlin den Titel im Doppel durch einen Finalsieg gegen die Ex-Kroppacherin Jessica Göbel und Theresa Kraft vom Zweitligisten TV Busenbach. Foto: Jürgen Vohl


Westerwälder Zeitung vom Montag, 5. März 2012, Seite 25