Kroppacher Trio träumt insgeheim von der Medaille PDF Drucken E-Mail
Mannschafts-WM in Dortmund mit Wu, Silbereisen und Toth

Von unserem Mitarbeiter René Adler


Dortmund/Kroppach. Mit dem Minimalziel Achtelfinale starten Kristin Silbereisen, „Dudu“ Wu Jiaduo und Krisztina Toth vom Deutschen Meister FSV Kroppach in die Mannschafts-Weltmeisterschaft, die am Sonntag in Dortmund mit den Vorrundengruppen und ohne Beteiligung der Grenzauer Bundesliga-Männer beginnt.

Das Wort Medaille nimmt im deutschen Team niemand offensiv in den Mund, obwohl oder gerade weil „Dudu“, Silbereisen & Co. vor zwei Jahren in Moskau völlig überraschend Bronze gewannen. Damals wuchsen sie als Außenseiter über sich hinaus, diesmal ist der Druck bei einer Heim-WM ungleich größer.

Doch das Edelmetall in Russland war ein Ausreißer nach oben: Bei den vergangenen vier Europameisterschaften gingen die deutschen Frauen leer aus. Da kann Krisztina Toth mit Ungarn schon befreiter aufspielen, doch das Los ist sehr schwer.



Schöpp hält Platz zwei für möglich

„Unser erstes Ziel ist, unter die ersten drei Plätze in der Gruppe zu kommen“, sagt Dirk Schimmelpfennig als Sportdirektor des Deutschen Tischtennis-Bundes. Die langjährige Kroppacherin und neue Frauen-Bundestrainerin Jie Schöpp urteilt über die Gruppe C mit Japan, Deutschland, Polen, Spanien, Serbien und Frankreich immerhin: „Ich denke, die Chance ist da, den zweiten Platz in der Gruppe zu schaffen.“ Direkt im Viertelfinale ist allerdings nur, wer seine Gruppe gewinnt, und nur diese Teams gehen Topfavorit China im Medaillenmatch sicher aus dem Weg. Die Gruppenzweiten und -dritten spielen ein Achtelfinale, und bei Lospech würde bei einem Sieg das Reich der Mitte warten.



Am Sonntag sollen zwei Siege her

Aber auch Gruppenkopf Japan ist für die Spielerinnen nicht völlig außer Reichweite. „Wir hätten es durchaus schlimmer treffen können. Japan als Gruppenkopf und eines der topgesetzten Teams ist für uns durchaus willkommen“, sagt die EM-Zweite Irene Ivancan (Berlin), und Kroppachs Kristin Silbereisen erläutert: „Die Japanerinnen sind ein junges Team. Sie alle spielen auf einem ähnlichen Level. Aber kein Spielsystem ist wirklich unangenehm für uns. Wir kennen die Japanerinnen schon ganz gut von gemeinsamen Lehrgängen, was dann unser Vorteil sein kann.“

Gleich zum Auftakt ist der Gastgeber zweimal gefordert. Mit Siegen gegen Außenseiter Frankreich und die gefährlichen Polinnen soll am Sonntag der Grundstein für den Einzug in die Finalrunde gelegt werden. Wu Jiaduo, die zuletzt nacheinander das Europe Top 12-Turnier und die deutsche Meisterschaft gewann, möchte die EM-Scharte auswetzen. Im vergangenen Herbst in Danzig hatte sie auf ganzer Linie enttäuscht. „So eine Heim-WM bedeutet mehr Druck, aber gleichzeitig steigt die Motivation“, erklärt die Europameisterin von Stuttgart. „Ich denke nicht an ein bestimmtes Ergebnis oder an eine Medaille. Das würde mich zu sehr nervös machen. Stattdessen denke ich jeden Tag daran, wie ich meine Technik verbessern kann, überlege mir mit den Trainern die beste Taktik gegen meine Gegnerinnen. Ich bin optimistisch, dass wir in Dortmund ein gutes Turnier spielen können.“

Auch wenn es bei den noch ausstehenden Qualifikationsturnieren eine zweite und notfalls dritte Chance gäbe: Vom Abschneiden bei der WM könnte auch abhängen, ob die deutschen Frauen ihr Olympia-Ticket als Team lösen, das bislang nur Wu und Silbereisen im Einzel sicher haben. „Wir dürfen uns aber nicht zu sehr verrückt machen“, meint Silbereisen. „Ein gesundes Mittelmaß ist gut.“



Schweres Los für Toth und Ungarn

Anders als ihre deutschen Klubkolleginnen aus Kroppach hat Krisztina Toth mit Ungarn alles andere als ein Traumlos erwischt. Das fängt schon damit an, dass der Sieg in Gruppe A praktisch unmöglich ist, weil in diesen Pool auch China gelost wurde, das nach der sensationellen Finalniederlage vor zwei Jahren gegen Singapur zwar nicht Titelverteidiger, aber Topfavorit ist. Ein dicker europäischer Brocken ist Rumänien, das 2011 im EM-Finale stand, und auch Weißrussland ist alles andere als Laufkundschaft: Das Team um die Einzel-Europameisterin von 2010, Viktoria Pavlovich, gewann bei der letzten Mannschafts-WM auf deutschem Boden, 2006 in Bremen, die Bronzemedaille.

Um in der stärksten aller Gruppen zumindest Platz drei zu belegen, müssen Toth & Co. wohl Rumänien oder Weißrussland besiegen. Gleichzeitig dürfen sie sich keinen Ausrutscher gegen Auftaktgegner Ukraine (Sonntag) und die USA leisten. Gut möglich, dass es wie im jüngsten EM-Viertelfinale – damals mit dem besseren Ende für Ungarn – wieder zu einem direkten Aufeinandertreffen des Kroppacher Trios kommt. Ein Achtelfinale Deutschland gegen Ungarn ist möglich, wenn eines der beiden Teams Gruppenzweiter wird und die andere Mannschaft Rang drei belegt. Den Fehler ihres Vorgängers Jörg Bitzigeio, Wu Jiaduo wie in Danzig gegen die Magyarinnen auf der Bank zu lassen, würde Jie Schöpp wohl nicht machen.

Westerwälder Zeitung vom Samstag, 24. März 2012, Seite 13