Achtelfinale ist für Kroppacher Duo ganz nah PDF Drucken E-Mail
Wu Jiaduo und Silbereisen punkten beim 3:2 gegen Spanien – Heute soll gegen Japan der vierte WM-Sieg folgen

Von unserem Mitarbeiter René Adler

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Gut gemacht, „Dudu“: Bundestrainerin Jie Schöpp (rechts) weiß, was sie an ihrer Nummer eins hat. Beim Sieg gegen Spanien gingen zwei der drei Punkte auf das Konto von Kroppachs Wu Jiaduo. Foto: Stephan Roscher


Dortmund. Kristin Silbereisen und „Dudu“ Wu Jiaduo haben mit den deutschen Tischtennis-Frauen auch das dritte Vorrundenspiel bei der Weltmeisterschaft in Dortmund gewonnen und damit so gut wie sicher das Achtelfinale erreicht. Nach dem 3:2 gegen Spanien, für das die beiden Kroppacherinnen alleine sorgten, können sie sich heute mit einem Erfolg gegen Japan sogar den Gruppensieg und den direkten Einzug ins Viertelfinale sichern. „Jetzt wollen wir um Platz eins kämpfen“, verkündete die zweimal siegreiche Wu. Davon ist Ungarn meilenweit entfernt, das ohne FSV-Ass Krisztina Toth die zweite Pleite kassierte und vor dem Aus steht.

Silbereisen schaffte es zum Auftakt nicht, die gegnerische Spitzenspielerin zu knacken. Die ersten beiden Sätze verlor die Kroppacherin gegen die gebürtige Chinesin Shen Yanfei mit nur zwei Punkten Differenz, danach war ihr Widerstand gebrochen. Besser machte es anschließend Klubkollegin Wu gegen eine allerdings auch schwächere Galina Dvorak (3:0).

„Never change a winning Team“ war nicht die Devise von Bundestrainerin Jie Schöpp, die anstelle der Berliner EM-Zweiten Irene Ivancan die Weltranglisten-50. Zhenqi Barthel (Bingen) aufbot. „Lulu“ war bei ihrem ersten WM-Einsatz gegen die 60 Plätze schlechter platzierte Sara Ramirez in der Favoritenrolle – und verlor klar in vier Sätzen. Deutschland geriet überraschend mit 1:2 in Rückstand. Nun war also Kroppachs „Dudu“ (Weltrangliste: 18) im Spitzenduell gegen Shen Yanfei (38) gefragt, die von zuvor vier Duellen mit ihrer Gegnerin drei gewonnen hatte. In einer spannenden Partie behielt die Europe-Top-12-Siegerin knapp mit 11:9 im Entscheidungssatz die Oberhand. „Shen Yanfei ist sehr gut in Form im Moment, und es ist ein ganz tolles Gefühl, sie geschlagen zu haben“, sagte Wu, die nach einer enttäuschenden EM im Herbst längst wieder die Führungsrolle im deutschen Team übernommen hat.

Das Duell zwischen Silbereisen und Dvorak musste entscheiden. Als die 27-Jährige nach ausgeglichenem Beginn den dritten Satz gewonnen hatte, agierte sie immer selbstsicherer und gewann mit 3:1. „Bei 2:2 an den Tisch zu gehen, ist hart, aber ich wusste, dass ich gewinne, wenn ich es schaffe, ruhig zu bleiben“, sagte Silbereisen. „Spielerisch bin ich ihr überlegen.“ Auch wenn das Achtelfinale noch nicht hundertprozentig sicher ist, richtet sich der deutsche Blick nach drei Siegen nach oben. Ein weiterer Erfolg gegen Japan würde den direkten Einzug ins Viertelfinale bedeuten – und ein Medaillenmatch garantiert nicht gegen Topfavorit China. „Jetzt versuchen wir, um den Gruppensieg zu spielen“, sagte „Dudu“ strahlend. „Gegen Japan können wir ganz locker spielen. Die müssen uns schlagen“, meinte Silbereisen. „Direkt ins Viertelfinale, das wäre ein Traum.“

Ohne die erfahrene Kroppacherin Krisztina Toth, die schon beim 1:3 gegen die Ukraine über eine Mandelentzündung nebst Erkältung geklagt hatte, war Ungarn als klarer Außenseiter in das wichtige Match gegen den EM-Zweiten Rumänien gegangen. Aber Spitzenspielerin Georgina Pota (3:1 gegen Elizabeta Samara) und Szandra Pergel (3:2 gegen Bernadette Szocs) brachten die Magyarinnen bei einer zwischenzeitlichen 0:3-Niederlage von Petra Lovas gegen Daniela Dodean mit 2:1 in Führung.

Nun hatte Ungarn also zwei Chancen auf einen unerwarteten Sieg. Die erste verpasste Pota im Einser-Duell gegen Dodean klar (0:3), die zweite Lovas gegen Samara ebenfalls ohne Satzgewinn. Die etatmäßige Nummer drei war mit ihrer neuen Rolle anstelle von Toth einfach spielerisch überfordert. Danach schlich sich das Team aus der Halle, ohne sich den Fragen der Presse zu stellen.

Auch wenn heute gegen Topfavorit China nichts drin sein dürfte, haben die Ungarinnen immer noch eine kleine Chance aufs Achtelfinale. Wenn sie morgen ihre Partien gegen die USA und Weißrussland gewinnen, könnten Ungarn, die Ukraine und Weißrussland alle zwei Siege auf dem Konto haben. Dann würde der Vergleich unter diesen drei Teams zählen. Aber jetzt braucht es schon ein kleines sportliches Wunder, um noch die Endrunde zu erreichen und nicht um die Plätze 17 und schlechter spielen zu müssen.

Westerwälder Zeitung vom Dienstag, 27. März 2012, Seite 11