Wu bringt Deutschland der Medaille näher PDF Drucken E-Mail

 

Heute wartet im Viertelfinale der Weltmeisterschaft der Titelverteidiger Singapur das Team von Trainerin Jie Schöpp

Von unserem Mitarbeiter

René Adler

 

Dortmund. Kristin Silbereisen und „Dudu“ Wu Jiaduo vom FSV Kroppach haben bei der Tischtennis-WM in Dortmund das Viertelfinale erreicht und spielen heute Abend (19 Uhr) gegen Titelverteidiger Singapur um eine Medaille. Das Team von Bundestrainerin Jie Schöpp setzte sich gestern vor mehr als 3000 Zuschauern in der Dortmunder Westfalenhalle mit 3:1 gegen Nordkorea durch. „Wir haben im Viertelfinale nichts zu verlieren“, sagte Matchwinnerin „Dudu“. Vereinskollegin Krisztina Toth indes konnte mit Ungarn die Chancen gegen Südkorea nicht nutzen und musste sich beim 0:3 unter Wert geschlagen geben.

Irene Ivancan aus Berlin (Weltrangliste: 49.) startete gegen die nominell stärkste Nordkoreanerin. Nach einer 2:0-Satzführung der Abwehrspielerin drohte die Partie zu kippen, doch nach dem Anschluss zum 1:2 wurde Kim Jong (53.) plötzlich hektisch und wollte die Punkte zu schnell machen. Die deutsche EM-Zweite blieb cool und nutzte ihren ersten Matchball zum 3:1. Dass die Gegnerin der Weltranglisten-18., Wu Jiaduo, im Ranking nur auf der Position 128 zu finden ist, hatte nicht so viel zu bedeuten, da die Spielerinnen aus dem abgeschotteten Nordkorea außer bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften praktisch nicht international auftreten.

Die Kroppacherin gewann den ersten Durchgang gegen Kim Hye Song sicher mit 11:7, aber es wurde kein Spaziergang. Den zweiten Satz verlor die Europe-Top-12-Siegerin klar, fing sich dann aber wieder und nutzte ihren zweiten Matchball zum 12:10 im vierten Satz. Kristin Silbereisen, Nummer 61 der Weltrangliste, konnte gegen Ri Myong Sun (158.) den Einzug ins Viertelfinale schon perfekt machen, agierte gegen die Abwehrspielerin aber über weite Strecken zu kopflos und unterlag in vier Sätzen. „Ich hatte noch nie gegen sie gespielt, und dann ist es gegen Abwehr natürlich schwer“, erklärte die 27-Jährige. Doch lange mussten sie und die Fans in Dortmund nicht mehr zittern: „Dudu“ entschied das Einser-Duell gegen Kim Jong nach einer überwiegend sehr konzentrierten Leistung mit 3:1 für sich. Als sie den dritten Satz nach Vergabe dreier Matchbälle noch verlor, stockte den Zuschauern zwar der Atem. Aber im vierten Durchgang konnte sich die Kroppacherin gleich absetzen und brachte ihren Vorsprung zum 11:7 ins Ziel.

„Eigentlich haben wir unser Ziel mit dem Viertelfinale schon erreicht“, sagte die strahlende Deutsche Meisterin. „Wir haben gegen Singapur nichts zu verlieren.“ Silbereisen gab sich etwas forscher. „Wir haben in den Partien unsere Chancen“, meinte sie. „Wir haben im Halbfinale von Moskau knappe Spiele gegen Singapur gehabt.“ Wobei sie selbst beim 0:3 gegen den späteren Weltmeister die einzigen beiden Sätze gewann. Da klang ihre Antwort auf die Frage, ob ein deutscher Sieg gegen Singapur im Vergleich zum Finalsieg Singapurs gegen China vor zwei Jahren die größere Überraschung wäre, schon realistischer: „Es wäre sicher die noch größere Überraschung, wenn wir gegen Singapur gewinnen würden.“ 10 000 Zuschauer in der ausverkauften Halle wollen helfen, das Wunder möglich zu machen.

FSV-Ass Krisztina Toth trauerte nach dem nur auf den ersten Blick klaren 0:3 gegen Südkorea den vergebenen Chancen nach. „Bei 1:0 für uns wäre das Spiel vielleicht ganz anders gelaufen. Aber solche Chancen muss man gegen asiatische Mannschaften dann auch nutzen“, analysierte sie. Die Ungarinnen gewannen fünf Sätze, aber eben kein Match. So richtig grämen mochte sich Toth nicht, weil sie nach Niederlagen in den ersten drei Gruppenspielen schon mit der Abstiegsrunde statt mit dem Achtelfinale gerechnet hatte. „Wir wussten, uns reicht nur ein 3:0-Sieg. Das war ein Wunder, das wir das geschafft haben“, sagte sie über den Erfolg gegen Weißrussland, dem auch noch rumänische Schützenhilfe gegen die Ukraine folgte. Heute geht es für Toth und Co. in der Platzierungsrunde um die Ränge neun bis zwölf – und dabei auch um eine gute Ausgangslage im Kampf um Mannschafts-Startplätze bei den Olympischen Spielen.

Silbereisen und Wu bietet sich neben der Chance auf eine WM-Medaille auch eine olympische Chance: Wenn sie das beste europäische Team werden – neben Deutschland stehen nur Polen und Europameister Niederlande im Viertelfinale – und Ivancan sich im April bei der Olympia-Qualifikation durchsetzt, ist diesem Trio das Mannschaftsticket für London nicht mehr zu nehmen.


 
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Kroppachs „Dudu“ Wu Jiaduo punktete beim 3:1 gegen Nordkorea gewohnt zuverlässig und war damit der Garant für den Einzug der deutschen Mannschaft ins Viertelfinale. Heute geht's gegen Singapur.Foto: Stephan Roscher

 

 

Westerwälder Zeitung vom Freitag, 30. März 2012, Seite 14
Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 30. März 2012 um 06:05 Uhr